Trotz seiner Wahlniederlage kann sich Lech Walçsa glücklich schätzen, denn immerhin gehört er zu der Sorte Politiker, die außer dem Politikmachen auch noch etwas Gescheites gelernt haben. Mitte November 1995 abgewählt und seit Weihnachten aus dem Amt, inszeniert Polens ehemaliges Staatsoberhaupt nach Ablauf der dreimonatigen Kündigungsfrist medienwirksam seine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz in der Stocznia Gdanska S. A., zu deutsch Danziger Werft AG.

Im April 1989 wurde der Arbeiterführer von seiner Firma, die damals noch Lenin-Werft hieß, freigestellt, damit er seinen Pflichten an der Spitze der wiederzugelassenen Gewerkschaft Solidarnosc und ab 1990 an der Spitze des Staates nachkommen konnte. Jetzt bleibe ihm, behauptet Walçsa, keine andere Wahl, als für umgerechnet knapp 500 Mark brutto im Monat wieder in den Blaumann zu schlüpfen - wenigstens so lange, wie das von Postkommunisten und der gewendeten Blockflöte Bauernpartei beherrschte Parlament keine ehrenhafte Lösung für den Unterhalt des Präsidenten a. D. findet. Von den einzigen Privilegien, die dem Expräsidenten zustehen: einem Dienstwagen und zwei Leibwächtern, könne die Familie, so Walçsas Ehefrau Danuta, jedenfalls nicht leben.

Doch der gelernte Elektriker heuert auf dem ehemaligen Flaggschiff der polnischen Werftindustrie zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt an. Seit Wochen berichten die Medien unter Überschriften wie: "Die Wiege der Solidarnosc säuft ab!" von der drohenden Pleite des Unternehmens. Auf seinen Hellingen wird zwar emsig gearbeitet, und die Werft kann Aufträge für 26 Schiffe im Wert von knapp 1,2 Milliarden Mark vorweisen, aber die Kassen sind trotzdem leer.

Immer heftiger klopfen die Gläubiger - Banken, Zulieferer, der Fiskus und der staatliche Sozialversicherungsfonds ZUS - an die Werkstore und verlangen die Begleichung der auf rund 200 Millionen Mark gestiegenen Verbindlichkeiten. "Doch woher das Geld nehmen, wenn sich allein die Verluste des letzten Jahres auf knapp 60 Millionen Mark belaufen?" fragt der sichtlich niedergeschlagene Jerzy Borowczak, Solidarnosc-Chef der Werft.

Schon zum zweiten Mal steht das traditionsreiche Unternehmen vor dem Aus. Bereits 1988 hat der damalige kommunistische Regierungschef Mieczyslaw Rakowski die Auflösung dieses Betriebes eingeleitet; andere, weit angeschlagenere Staatsunternehmen durften weitermachen.

Damals war Rakowskis Aktion allgemein als Rache an Solidarnosc, die 1980 auf der Danziger Werft entstand, interpretiert worden.

Die politische Wende von 1989 rettete das Unternehmen noch mal.