Den zehn Besuchern aus Deutschland brummt der Kopf in der Mittagshitze.

Nach einer Nacht in der Hängematte sind sie seit Stunden mit einem kleinen Flußschiff unterwegs, um das Leben der Bauern am Rio Trombetas, einem nördlichen Nebenfluß des Amazonas, zu erkunden. Als das Boot seinen flachen Kiel vor dem Dorf Jamary ans Ufer schiebt, klettert eine ungewöhnliche Reisegruppe die steile Böschung hinauf: Während Entwicklungsexperten der Kirchen, Wissenschaftler und Journalisten gelegentlich im problembeladenen Norden Brasiliens auftauchen, wurden Vertreter der deutschen Aluminiumindustrie bislang nicht gesichtet.

Dennoch verstehen die Dorfbewohner rasch, was die Deutschen herführt.

Sie wissen, daß Aluminium aus Bauxit gemacht wird. Ihr Dorf liegt wenige Kilometer entfernt von der fünftgrößten Bauxitmine der Welt. Und die hat ihnen seit 25 Jahren nichts als Ärger gebracht.

Die ärmlich gekleideten Menschen - Nachfahren entlaufener Sklaven, die sich in Wehrdörfern, sogenannten Quilombos, ansiedelten - umringen die Besucher. "Die nehmen uns das Essen weg", sagt ein Bauer und erzählt vom täglichen Kleinkrieg mit der Minengesellschaft und den Behörden. Die Deutschen nicken höflich. Als das Boot ablegt, ist die Stimmung an Bord betreten. Man möchte helfen, aber wie?

Und: Hat das alles wirklich etwas mit der deutschen Aluminiumindustrie zu tun?

Die Antwort ist schwierig. Die Amazonas-Region birgt mächtige Bauxitvorkommen und ermöglicht zugleich die Stromproduktion aus Wasserkraft im großen Stil. Um ein Kilogramm Rohaluminium aus Bauxitgestein zu erzeugen, sind 13,5 Kilowattstunden nötig, soviel wie ein deutscher Durchschnittshaushalt an drei Tagen verbraucht.