Wie es sich für ein Traumbuch gehört, ist am Ende alles wie am Anfang. Nur ein bißchen anders. Die Wolken vor dem Fenster haben sich in Kissen verwandelt, die Baumkrone bleibt viereckig, die Farben scheinen doch ein bißchen röter, und Lisa und ihr Bär liegen verkehrt rum, wie die Pantoffel.

Wie das alles kommt? Lisa geht nachts auf Reisen, schnurstracks durch die Wand, mitten ins bunte Land der Kreise. Eine fröhliche Lisa-im-Wunderland-Reise mit runden Bäumen, runden Königen und Regenschirmen, runden Autos und Häusern, kugelig-gemütlich, wären da nicht die Verbotsschilder: Kein Knäckebrot, keine Schokoladentafel - Ecken verboten! Und leider brüllt da auch gleich einer: "Sie ist gar nicht so wie wir!" Auftritt: Kugelpolizei!

Bei Paul Maar und Kestutis Kasparavicius muß man nicht befürchten, daß eine Toleranzparabel einem das Lese- und Schauvergnügen verdirbt.

Lisa wird zwar kugelig, wie es die strengen Kreise befehlen, flieht aber schon auf der nächsten Seite durch ein Loch (rund!) ins Land der Ecken. Natürlich regiert dort König Eckenbart nebst Tante Eckentraut von Winkelhart, sind Melonen, Teller, Bälle verboten.

"Jedenfalls und überhaupt ist nichts Rundes hier erlaubt." Lisa, inzwischen selbst viereckig, verwandelt ein Rasenviereck in eine Falltür und fällt ...

Während bei "Schlaraffenland" und "Ostereier" - den beiden vorangegangenen Bilderbüchern von Kasparavicius beim Esslinger Verlag - das Einzelbild nicht zum Umblättern drängte, zieht jetzt die Geschichte Paul Maars ins nächste Abenteuertableau, ins Land der roten Töne, ins kleine Land Kopfunter. Vers um Vers, Reim um Reim, der einlullende Singsang verspricht Sicherheit, der vertraute Rhythmus betont sich fast von selbst, Paul Maar hat der überschäumenden Phantasie des Malers eine Richtung gegeben.

Und Paul Maar, Reisender durch Kinderwelten, hat ein Gespür dafür, daß Bilderbücher Vorlesebücher sind, daß sie süffig über die Lippen gehen müssen, Papiertexte zu Theaterdialogen werden sollten - der kleine Zuhörer lächelt stolz, er ahnt den Reim, stumm bewegen sich die Lippen.