Fuerteventura ist seit langem fest in deutscher Hand. Das zeigt sich auch in der Besiedlung. Ich meine nicht die kleinen Villen, in denen sonnenhungrige Pensionäre ihr insulares Dasein genießen.

Ich meine die Burgen am Strand von Jandia, der südlichen heißen Spitze der Insel. Bei Esquinzo kann man geradezu von einem Burgenballungsgebiet sprechen - Burgen, die sich zu Dörfern formieren. Baumaterial gibt's genügend: die rundgeschliffenen Basaltwackersteine, die das Meer an den Strand wirft oder die sich von den Klippen lösen.

Die Dörfer unterscheiden sich voneinander. Am gepflegtesten wirkt das "Marabudorf" unterhalb der kleinen Appartementanlage gleichen Namens. Ohne weiteres bekäme es den ersten Preis beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". Hier stehen die Burgen wie Einfamilienhäuser ordentlich in einer Reihe ausgerichtet. Sie sind oft geradezu komfortabel ausgestattet mit kleinen Bänkchen aus angeschwemmten Holzlatten, mit ausgedienten Liegestühlen und Sonnenschirmen.

Vor den Eingängen der Burgen wird darauf hingewiesen, wie lange dieselben belegt bleiben. Und ganz Höfliche schreiben noch ein "Danke" dahinter, um eventuelle Einbrecher zu beschämen. Behält man die Daten im Kopf, kann man am Abfahrtstag der Besitzer legal eine Burg übernehmen.

Im "Höhlendorf" haben die Langzeiturlauber ihr trautes Heim unter überhängenden schwarzen Klippen gefunden. Seit 25 Jahren kommt Frau M. aus D., immer zur gleichen Zeit, hierher. In ihrer Höhle, eher einer Nische im Basalt mit abgrenzender Ringmauer, könnte sich Schöner wohnen etwas abgucken: ein Tisch aus Naturstein, ein kleiner Korbsessel und in einer Ausbuchtung Radio und Spirituskocher samt Geschirr. Ja, hier wird gelebt wie daheim.

Frau M. sitzt splitternackt und gut frisiert in ihrer Höhlenburg, lächelt mich aber so aufmunternd an, daß ich die Ansprache wage, obgleich ich nicht nackt bin. Herr M. vergnügt sich gerade in den sanften Wellen. Keiner geniert sich. Die meisten der munteren Greise glänzen brutzelbraun, ihre Gefährtinnen auch: Kaum erreichen sie ihre Burg, fetten sie sich gegenseitig hingebungsvoll und gründlich bis in jede Hautfalte ein, damit sie tief und flächendeckend bräunen können.

Morgens stehen die Dorfbewohner oft zu einem Plausch zusammen.