Edgar Hilsenrath war schon einmal in Fürth: Am 20. Juni 1978 las er hier - auf Einladung der Direktorin der Volkshochschule - ein Kapitel aus "Der Nazi & der Friseur".

Das Deutsche Allgemeinen Sonntagsblatt schrieb damals: "Nach dem Ende des Kapitels klappt Hilsenrath das Buch zu, und in der ersten Reihe steht einer auf mit einem Spickzettel. Der junge Mann ist aufgeregt, er hätte eine Frage: Da sei ein Mensch am Lesen, ein Politpornograph, der sich lustig mache über Juden und Christen und das deutsche Volk und den Führer. Dabei sei das doch einer, der die zionistischen Folterknechte unterstütze. Der Tumult ist kurz und heftig; kurz und heftig bricht die Direktorin die Veranstaltung ab. Sie hätte sich nicht mehr beherrschen können, sagt sie später.

,Die haben wir mal ordentlich provoziert`, kichert das Mädchen aus der ersten Reihe. Sie ist neunzehn, schwarzhaarig, ganz außerordentlich hübsch. Seit kurzem ist sie Mitglied der Jungen Nationaldemokraten: ..."

Die junge Dame hatte die Situation völlig verkannt. Nicht sie hatte provoziert. Hilsenrath hatte sie provoziert. Ich glaube nicht, daß junge Nationaldemokraten bei irgendeiner anderen Gelegenheit jemandem vorgeworfen haben, er mache sich lustig über Juden. Heute ist Edgar Hilsenrath nach Fürth gekommen, um den Jacob Wassermann Preis entgegenzunehmen. Ich wünsche ihm, vor allem aber uns, daß vielleicht die hübsche junge Frau von damals oder einer ihrer Freunde hier in dieser Versammlung sitzt und sich mit Hilsenrath und uns über diese Preisverleihung freut.

Von drei Dingen möchte ich sprechen: von dem, das ich in Hilsenraths Büchern nicht verstanden, von dem, das ich aus ihnen gelernt, und zuletzt über etwas, das ich gerne von Hilsenrath gelernt hätte, aber leider nicht gelernt habe.

Nicht verstanden habe ich die - möglicherweise ausschließlich literarische - Obsession, mit der Edgar Hilsenrath immer wieder auf gewaltige Penisse und dicke weibliche Hintern zu sprechen kommt. Es handelt sich - glaube ich - in den meisten Fällen weniger um Beschreibungen der Wunschphantasien Hilsenrathscher Helden als um deren hilflose Sprücheklopferei. Oft aber scheinen es nur Zitate einer zwischen der Venus von Willendorff und Anne Nicole Smith offenbar immer gegenwärtigen Popkultur. Denen, die lieber im Schatten junger Mädchenblüte auf die Suche gehen, bietet Hilsenrath leider nichts.

Gelernt habe ich von den Büchern unseres Preisträgers vor allem zwei Dinge: