Kaum hatten die beiden frisch an die Königliche Kunstakademie in Dresden berufenen Maler Adrian Zingg und Anton Graff ihr Umzugsgut ausgeladen, da zog es sie schon wieder hinaus, ins Freie. Sommer 1766 war, die Luft der Residenzstadt wurde ihnen eng. Die beiden packten Zeichen- und Tuschzeug und wanderten flußaufwärts. Fünf Jahre zuvor hatte Jean Jacques Rousseau das neue Schönheits- und Naturideal dekretiert: "Ich verlange Gießbäche, Felsen, Tannen, dunkle Wälder, Berge, rauhe auf- und abführende Pfade und fürchterliche Abgründe neben mir."

In der "Heide", wie man damals das Elbsandsteingebirge noch nannte, wurden die Maler fündig. Auf ihrer bald in Stich und Druck weit verbreiteten Graphik gab es jede Menge Gießbäche, Felsen und Abgründe zu bestaunen. Das durch Rousseaus "Neue Heloise" in einen wahren Schweiz-Taumel versetzte deutsche Publikum begann, Analogien zu ziehen. Sahen Zinggs Schroffen und Graffs Schründe nicht ganz den herrlichen Alpen ähnlich? Es kam, wie es kommen mußte. Das "wilde Gebürg", das die beiden Dresdner Kunstakademiker konterfeit hatten, erhielt mit der Titulierung als "Sächsische Schweiz" das Gütesiegel höchster Naturschönheit. Da Zingg und Graff selbst aus dem gelobten Alpenland stammten, war ihr Urteil über jeden Zweifel erhaben.

Den beiden Schweizern folgten andere Maler und dann die ersten Touristen. Alle wählten im Prinzip dieselbe Route, gleich ob sie zu Fuß oder mit der Kutsche unterwegs waren. Als "Malerweg" wird sie heute vom regionalen Tourismusverband propagiert. Noch aber sind die Etappen nicht endgültig festgelegt, der Gepäcktransport ist nicht organisiert - Gelegenheit für einen Fußmarsch auf eigene Faust.

Zu Caspar David Friedrichs Zeiten nahm man von Dresden eine Gondel, um zum Ausgangspunkt der Wanderung nach Pillnitz zu gelangen.

Mich hat die Straßenbahnlinie 9 kreischend und bimmelnd zunächst nach Klein-Zschachwitz gebracht. Als Brückenkopf Dresdner Bürgerlichkeit liegt die Villensiedlung dem Königlichen Lustschloß gegenüber.

Am Fähranleger warten ein paar verfrorene Fußgänger auf die Überfahrt ans rechte Elbufer.

Pillnitz! Selbst heute, wo ein eisiger Wind das Elbtal herabfegt, liegt die Sommerresidenz der sächsischen Könige wie ein Versprechen auf südliche Vergnügen am Fluß. Statt der venezianischen Gondeln, die seinerzeit an der barocken Freitreppe in der eilig strömenden Elbe schaukelten, hat ein Boot der Wasserschutzpolizei festgemacht.