Schade, daß es nicht geklappt hat. Larry hatte sich eigentlich ganz ordentlich angestellt. Mit freundlichem Lächeln und niedergeschlagenem Blick trug der junge Schwarze eimerweise dreckiges Geschirr in die Küche, stellte den Clubmitgliedern die Erdnüsse von der richtigen Seite hin, hackte blitzschnell das Eis für die Cocktails zurecht, übernachtete brav im monkey house (zu deutsch: Affenstall), wie der Personaltrakt des Golfclubs heute noch so trefflich heißt, und muckte nicht einmal auf, wenn das böse Wort nigger im Clubraum fiel.

Aus dem adretten Larry hätte doch noch ein ordentlicher Kellner werden können, kein Ober natürlich, weil er ein Schwarzer ist, aber immerhin busboy, Hilfskellner, für fünf bis sieben Dollar die Stunde. Im feinen Greenwich Golf- und Country-Club in Connecticut, wo Schwarze und Juden, seien sie noch so reich, berühmt oder verdient, noch heute nicht Mitglied werden können, dachte niemand an einen Skandal, als Larry nach vierzehn Tagen seinen Job quittierte.

Es verhielt sich nämlich so, daß der 33 Jahre alte Larry, der in Wirklichkeit Lawrence Otis Graham heißt und Sozius in einer renommierten Anwaltskanzlei an der Park Avenue in Manhattan ist, nicht länger untertauchen konnte. Seine Klienten aus der Großindustrie, Kraft Food und Hewlett Packard etwa, warteten bereits ungeduldig auf ihren schwarzen Topanwalt, der in Princeton und Harvard studiert hat und im Monat mindestens fünfstellig verdient.

Ungeduldig wartete außerdem sein New Yorker Verlag auf Grahams neueste Undercover-Reportagen, die unter dem Titel "Club-Mitglied, Leben in einer rassisch polarisierten Welt" im vergangenen Herbst erschienen und Furore machten. Denn nicht erst seit dem O.-J.-Simpson- Prozeß und dem Millionen-Marsch der Schwarzen von Washington erlebt Amerika eine neue Ära des Rassismus.

Es ist sein zehntes Buch. Früher schrieb Graham Lehrreiches über Management und Big Business, auch einen Unternehmensführer für Minderheiten. Seit vier, fünf Jahren ist sein Lieblingsthema: die verkorksten Beziehungen zwischen Schwarz und Weiß. Das New York Times Magazine widmete dem schwarzen Wallraff im August 1992 eine Titelgeschichte, Talk-Königin Oprah Winfrey interviewte ihn wiederholt, und Warner Brothers kauften die Filmrechte für "Member of a Club" auf, um es mit dem schwarzen Star Denzel Washington zu verfilmen. 1 : 0 für Hilfskellner Larry gegen den ganz alltäglichen Rassismus.

Warum macht er das, der schwarze Harvard-Abgänger? Haßt er die weiße Welt, die ihn immer wieder abblitzen läßt? "Nein, ich bin doch kein Farrakhan", sagt Lawrence Graham freundlich, als wir uns zum Mittagessen in Chappaqua, einem vornehmen New Yorker Vorort, treffen. "Ich wäre ja selber gern Mitglied in einem Golfclub geworden", sagt er. "In den USA sind Clubmitgliedschaft und Geschäftserfolg eng miteinander verflochten. Aber selbst, wenn ich drei ehemalige US-Präsidenten als Bürgen bitte, als Schwarzer komme ich nicht hinein, also bin ich als Hilfskellner durch die Hintertür gegangen, um die Heuchelei des Establishments aufzudecken."

Graham führt am eigenen Leibe vor, wie Rassismus in den neunziger Jahren funktioniert: Ein farbiger Amerikaner kann in Harvard studieren und Karriere machen und wird trotzdem wie ein Underdog behandelt.