Ein Moment wie dieser ist Josef Klüh teuer. Ganz allein tritt der Präsident der Düsseldorfer EG eine halbe Stunde vor Spielbeginn im Kamelhaarmantel unten an die Bande vor der leeren Mannschaftsbank.

Seine Männer sind schon auf dem Eis. Sie spielen sich warm, üben Routinezüge. Antritt des Stürmers aus der Bandenecke, nach drei Schritten Drehung in den Rückwärtslauf, den zugepaßten Puck mit dem Schläger aufgenommen, ein enger Halbkreis, Drehung vorwärts, Abspiel, den Kreis vollendet und dann knallhart den erneut vorgelegten Puck aufs Tor gefeuert. Die Aktion dauert vier Sekunden.

Sichtlich genießt Josef Klüh diese kraftvolle Choreographie der Neunzigkiloburschen, vernimmt die singende Schärfe hohlgeschliffener Schlittschuhschienen auf dem blanken Eis. Und stolz läßt er vor sich große, bekannte Namen auf breiten Trikotrücken paradieren, die er sich etwas hat kosten lassen: Valentine, Sherven, Doucet, Hegen, Funk. Drei internationale Topleute hat er der Düsseldorfer Mannschaft erst zu Beginn der Saison spendiert: das russische Verteidiger-Kaltblut Sergej Sorokin, für den Angriff den finnischen Hünen Mikka Mäkelä und den gewitzten Kanadier Patrick Lebeau, der bei seinem ersten Einsatz für den Klub schon nach 22 Sekunden den Puck ins Netz hämmerte. An diesem Abend wird er gleich dreimal treffen.

Wenn Josef Klüh nun den gefönten Kopf in den Nacken legt, den Blick über die endlich einmal gutbesetzten Zuschauerränge des Eisstadions an der Düsseldorfer Brehmstraße schweifen läßt, dann kann er knapp unter dem Hallendach dreimal und in großen Lettern den Slogan lesen, an den er glaubt: "Wenn Dienstleistung, dann Spitzenleistung - Klüh-Gruppe". Tagsüber nämlich ist Josef Klüh Boß eines Serviceunternehmens, abends ist er Mäzen. Die Millionen, die er sich sein Männerhobby hat kosten lassen, will er laut nicht zählen: "Ich hab' 20 000 Beschäftigte. Wenn die in der Zeitung lesen, wieviel Geld ich schon in den Verein gesteckt habe, werden die sagen, das hätte er lieber mal uns gegeben." Deshalb sagt er nur: "Ich bin Sponsor."

Josef Klühs Investitionen rechnen sich heute abend wieder. Die Düsseldorfer EG exekutiert das Halbfinalspiel gegen die stark eingeschätzten Berliner Preußen Devils mit 5 : 2. Sie marschiert durch ins Finale gegen den amtierenden Meister, die Kölner Haie.

Die Entscheidung über die Deutsche Meisterschaft 1996 im Eishockey fällt in dieser Woche.

Die Duelle der rheinischen Erzrivalen Köln und Düsseldorf sind von kultischer Bedeutung - und das beste Eishockey, das in Deutschland zu sehen ist. Drei von maximal fünf Spielen muß eine Mannschaft im Playoff gewinnen, um Meister zu sein. Alle zwei Tage prallen sie aufeinander, und von Treffen zu Treffen sehen die Helden wüster aus: Hämatome um die Augen, genähte Schnitte auf den Wangen, und die Bärte, die bis zur Entscheidung aus Aberglauben nicht rasiert werden, machen die Gesichter düster und fremd. Am Ende erkennen die Spieler einander am Geruch.