KIEL. - Die Satellitenschüsseln der Ü-Wagen sind abgebaut, die Journalisten davongezogen; die neuen Fraktionen im Schleswig-Holsteinischen Landtag haben ihre Funktionsträger bestimmt, die Grünen kauften acht Handys, und die Liberalen sind von ihrem Selbsterfahrungscamp in der Nordheide zurück.

Jetzt muß an der Förde nur noch eine Regierung gebildet werden.

Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn die SPD hat, für sie völlig ungerecht, ihre absolute Mehrheit verloren und braucht einen Partner. Ihre Gremien, die sich selbst als "dickschädeligen, linken Landesverband" bezeichnen, beschlossen am vergangenen Freitag: Die Grünen sollen's sein. Ministerpräsidentin Heide Simonis verkündete diesen Beschluß und trug dabei schwarz.

Selbst wenn das Land nicht augenblicklich zum "Indianerreservat" mutiert, wie der Unternehmer-Präsident Hans-Heinrich Driftmann fürchtet - Konflikte mit der Öko-Partei gibt es viele. Einige sind politisch: Alle großen Verkehrsprojekte wie die Fehmarnbeltquerung, eine neue Brücke über die Elbe oder die Ostseeautobahn A 20 (die Lübeck mit Rostock verbinden soll und vom Nachbarland anstelle kopfsteingepflasterter Feldwege dringend gewünscht und gebraucht wird) lehnen die Grünen ab. In jeder dieser Auseinandersetzungen kann die SPD nur verlieren: Der linken Klientel werden sich die Grünen als konsequente "Umkehrer" in der Verkehrspolitik präsentieren, die die SPD zu bremsen sucht; die Wirtschaft wird jedes Zugeständnis an die Grünen eine "Standortgefährdung" nennen und drohen, die Krabbenfischerei nach Singapur zu verlagern.

Beim zweiten Streitpunkt, der Atompolitik, fallen politische und personalpolitische Gesichtspunkte zusammen: Den Energieminister Claus Möller, eigentlich ein eifriger Befürworter rotgrüner Bündnisse und Fan der Windenergie, wollen die Grünen am liebsten abknipsen, weil er die Abschaltung der Kernkraftwerke nicht konsequent betreibe.

Die "Richtlinienkompetenz" in Ausstiegsfragen müsse ein Grüner bekommen, der den Konflikt mit Bonn nicht scheue und notfalls auch gegen bestehende Gesetze verstoße, sagt Klaus Müller, der Chef der Grünen in Schleswig-Holstein.

Heide Simonis' anfängliche Erleichterung, daß in einer rotgrünen Koalition wenigstens "die Staatskanzlei unangetastet" bleibe, hat sich als voreilig erwiesen: Ihren Staatssekretär Klaus Gärtner, seit 1988 als Finanzstaatssekretär mitverantwortlich für die Sparpolitik der Regierung und seit drei Jahren Chef der Staatskanzlei, können sich die Grünen "nicht als Koordinator eines rotgrünen Kabinetts vorstellen" - Gärtner ist Mitglied der Liberalen.