Als vor etwa zehn Tagen das Gerücht aufkam, die Donaueschinger Musiktage sollten ganz eingestellt werden oder, bestenfalls, nur noch alle zwei Jahre unter empfindlich eingeschränkten Bedingungen stattfinden, da hat das zuerst kein Mensch glauben wollen. Unmöglich!

Da könnte man ebensogut gleich Hölderlins Turm sprengen!

Donaueschingen ist ja nicht nur ein Musikfest, drei Tage im Oktober mit Neuer Musik, Jazz, Börse, Markt und Palaver. Donaueschingen ist mehr als bloß Symbol für den Aufbruch der westdeutschen Avantgarde nach 1945. Feste kommen und gehen, Symbole verblassen, und nichts ist so alt wie die Avantgarde von gestern. Aber Donaueschingen!

Gegründet vor 75 Jahren als "Kammermusikfest zur Förderung zeitgenössischer Tonkunst", ist es längst eine Art nationales Kulturdenkmal geworden, international unersetzlich und erstaunlich lebendig: die Programme streitbar, das Publikum jung und engagiert. Und immer noch gilt, nach dem Diktum der Gründungsväter, daß hier ausschließlich Stücke erklingen, die "unbekannt und umstritten" sind. Donaueschingen ist das Herzstück der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Hier war der Start- und Treffpunkt für Krenek, Hindemith, Webern, Schönberg, Bartók, Strawinsky, Boulez, Stockhausen, Lutoslawski, B.A. Zimmermann, Xenakis, Kagel, Nono, Lachenmann, Rihm und viele, viele mehr. Gewiß, manch einer mag nicht einverstanden sein mit dem Verlauf dieser Geschichte. Aber Geschichte läßt sich deshalb nicht einfach abschaffen. Und sie, aus Kostengründen, kupieren und für beendet erklären? Ausgeschlossen!

Jetzt ist es amtlich: Der Südwestfunk kann sich Donaueschingen nicht mehr leisten. Seit dem Jahre 1950 Veranstalter der Musiktage, hat der Sender dafür zuletzt jährlich 340 000 Mark ausgegeben und damit knapp die Hälfte der anfallenden Ausgaben gedeckt (den Rest zahlten die Landesanstalt für Kommunikation und die Stadt Donaueschingen). Die Preziose ist also vergleichsweise preiswert.

Aber der Südwestfunk muß seinen Anteil aus dem Programmetat abzweigen, und der wiederum wurde kürzlich reduziert: Wie die KEF (die "Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs", die für die Aufschlüsselung der ARD-Gebühren sorgt) erklärt hat, muß der Sender bis zum Jahr 2000 drei Millionen Mark einsparen. Geknausert wird in den Funkhäusern nicht erst seit gestern. Aber mit diesem neuen Aderlaß geht es an die Substanz: Das Programm wird gestutzt, der Bildungsauftrag gekippt. Und ganz nebenbei werden eben auch blühende Landschaften wie Donaueschingen trockengelegt.