Im Sommer 1990 ging für Frankfurts Bankenwelt ein Traum in Erfüllung: Nach Jahrzehnten des Verbots durften die Banker an der gerade gegründeten Deutschen Terminbörse den Handel mit Financial Futures wieder aufnehmen. Ohne diesen Schritt wäre Frankfurt inzwischen wahrscheinlich zum Hinterhof des europäischen Kapitalmarkts verkommen.

Denn Financial Futures sind aus dem modernen Wertpapiergeschäft gar nicht mehr wegzudenken. Vor allem bei Banken, Versicherungen und Investmentfonds sind sie gefragt - ermöglichen sie es ihnen doch, ihre Risiken auf andere abzuwälzen.

Futures haben eine lange Geschichte - sie reicht zurück bis ins dritte Jahrtausend vor Christus. Insbesondere im Handel mit Rohstoffen und landwirtschaftlichen Gütern erfüllen Futures seit jeher einen wichtigen Zweck: Auf diesem Weg können sich die Geschäftspartner gegen Preisschwankungen absichern. So ist zum Beispiel ein Getreidehändler in der Lage, bereits drei Monate vor der Ernte eine bestimmte Menge Getreide zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Das bringt nicht nur ihm Sicherheit. Auch der Landwirt kann auf verläßlicher Basis kalkulieren. Der Preis wird den Bauern nicht durch eine schlechte Ernte verdorben.

Futures sind also Kaufverträge auf die Zukunft. Allerdings werden sie nicht direkt zwischen Käufern und Verkäufern abgeschlossen, sondern als sogenannte Kontrakte an speziellen Börsen gehandelt.

Hier agieren auch Personen, die gar nicht daran denken, größere Mengen Getreide oder andere Güter zu erwerben: die Spekulanten.

Sie sind allein am Handel mit den Kontrakten interessiert und versuchen diese mit Gewinn zu verkaufen. Da die Preise von Futures recht gering sind, jedoch stark schwanken, winken enorme Erträge, aber auch Verluste weit über den Einsatz hinaus. Durch den Erwerb von Futures kaufen die Spekulanten Produzenten und Händlern praktisch die Preisrisiken ab.

Während im Warenterminhandel von Commodities Futures gesprochen wird, heißen sie im Wertpapiergeschäft Financial Futures. Letztere ermöglichen es den Käufern und Verkäufern, sich der Risiken von Kurs-, Zins- oder Währungsschwankungen zu entledigen. Die große Gefahr dieser Geschäfte besteht jedoch darin, daß der Handel der Spekulanten außer Kontrolle gerät. Immer wieder ist es in der Vergangenheit zu spekulativen Exzessen - und persönlichen Tragödien - gekommen. Immer wieder wurde der Wertpapierterminhandel deshalb verboten - erstmals bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Amsterdam. Zuletzt zogen die Regierungen nach dem großen Börsenkrach von 1929 die Notbremse. Erst vierzig Jahre später wurden die Zügel nach und nach gelockert. Bis zum nächsten großen Crash?