Die meisten deutschen Städte können kaum bezahlen, was der Bund ihnen abverlangt, bei der Sozialhilfe zum Beispiel. In Frankfurt ist alles anders. Dort finanziert die Stadt sogar Einrichtungen, die das Gesetz verbietet. Die Örtlichkeiten tragen klingende Namen wie "La Strada", verströmen aber im Inneren den Charme von Operationssälen.

Mannshohe Fliesen, Spiegelwände, kaltes Licht. Die Gäste der Stadt hier sind Elendsgestalten, Menschen, die sich in hygienischer Umgebung ihren Schuß setzen. "Druckräume" heißen die tolerierten Grauzonen im Fixerjargon.

Diese Art der Überlebenshilfe für Junkies ist eine Erfindung der grünroten Koalition im Römer. Seit unter städtischer Obhut gefixt werden darf, also seit fünfzehn Monaten, verlangt die unionsgeführte Bundesregierung die Schließung dieser Rückzugsräume. Die ganze Sache sei nach dem Betäubungsmittelgesetz illegal und ohnehin nur eine Spinnerei linker Ideologen.

Inzwischen wird Frankfurt wieder schwarz regiert. Aber die neue Oberbürgermeisterin Petra Roth, CDU, hat dem Wunsch ihrer Bonner Parteifreunde auch nach neun Amtsmonaten nicht entsprochen. Statt dessen hat sie das Unternehmen umbenannt: Die "Gesundheitsräume" heißen jetzt "Konsumräume". Demnächst wird ein weiterer eröffnet.

Die Christdemokratin Roth denkt pragmatisch. Sie ist überzeugt, daß Prohibition allein nicht hilft. Damit hat die Bundesregierung ein neues Problem: Sie muß ihre restriktive Drogenpolitik, mit der sie sogar die Niederlande missionieren will, nicht mehr allein gegen linke Landespolitiker verteidigen. Es wächst die Zahl der Abweichler im eigenen Lager. Besonders in den Großstädten wagen CDU-Kommunalpolitiker neuerdings Unerhörtes.

Beispiel Hamburg: Hier befindet sich die CDU-Fraktion in einer drogenpolitischen Allparteienkoalition mit SPD, Grünen und Statt Partei. Gegen den Widerstand der Krankenkassen und die Bonner Parteilinie will die örtliche CDU ein bundesweit einmaliges Projekt zur Drogensubstitution mit Methadon beibehalten. Der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion, Sieghard Kampf, kritisiert sogar Gesundheitsminister Seehofer, weil der bei der Substitution nur sparen wolle. Zudem will die hanseatische CDU Gesundheitsräume auch in Hamburg errichten.

"Wir sind da weltoffener als CSU-Politiker", sagt Kampf.