Bonn, vor Ostern. Sonne, blauer Himmel, Eierfärben. Und Rätselraten, was denn nun die Koalition mit ihrem Drei-Länder-Wahlsieg anfangen wird. Ersatzlose Abschaffung der Rente? Krankheitsverbot für Arbeitnehmer?

Umstellung der Sozialhilfe auf Rindersteaks? Wir wissen es nicht.

Noch hält sich die Regierung bedeckt. Nur die Verlierer sind wieder einmal schneller. Allen voran Oskar Lafontaine. Der wird noch vor Ostern nach Washington reisen und dort mit Bill Clinton ("jobs, jobs, jobs") einen "internationalen Pakt gegen Arbeitslosigkeit" anregen. Da kann man nur hoffen, daß der Pakt nicht gar zu schnell in Kraft tritt. Sonst müssen alle arbeiten gehen. Weltweit und über die Feiertage.

Kein Zweifel, Oskar Lafontaine hat den Schaden. Und hat alles getan dafür. Besonders danach, als er erklärte, wie sich die vielen verlorenen Stimmen zu einer richtigen Erfolgsbilanz auftürmen.

Weil alle jetzt ein wenig über den SPD-Vorsitzenden spotten, ist der richtig böse. Vor allem über die Grünen, die der SPD erst ihre schöne Aussiedlerkampagne kaputtgemacht haben und hinterher auch noch alles besser wissen. Im Interview mit der taz wirft Lafontaine ihnen jetzt vor, "Aussiedlerpolitik auf der Basis völkischen Staatsbürgerschaftsrechtes" zu betreiben. Viermal hintereinander müssen sich die Grünen das sagen lassen. Eine irgendwie verquere Ehrenrettung für Dieter Spöri, den durch völkisches Wahlverhalten verhinderten rotgrünen Ministerpräsidenten.

Jürgen Trittin hat auf Lafontaines Angriff sofort und präzise reagiert: "Oskar gaga?" fragt er per Pressemitteilung. Dabei hatte der Grünen-Vorsitzende doch gerade selbst noch versprochen, bis 98 und darüber hinaus ausschließlich rotgrüne Eier zu legen. Trittin auch gaga oder was?

Nur die Bundesregierung behält klaren Kopf. Sie hat nicht nur ein Herz für Aussiedler. Sie hat zugleich auch Zahlen parat. Mit denen lassen sich diejenigen beruhigen, deren Herz nicht ganz so laut schlägt und die meinen, irgendwann müsse eben doch Schluß sein mit dem Zuzug: "1996 bisher 5502 Aussiedler weniger als 1995!