Schlank, groß, nachdenklich und stets umgeben von einer Aura gebändigter Melancholie - so ist Valentin Falin den Deutschen in Erinnerung.

Von 1971 bis 1978 wirkte er als sowjetischer Botschafter in Bonn: der Vertreter der östlichen Supermacht im Ringen um die Ostpolitik.

Zuweilen saß er gleichsam mit am Bonner Kabinettstisch. Denn den Wortlaut des Briefes zur deutschen Einheit - Schlüssel zum Moskauer Vertrag und zu allen anderen Ostverträgen - hat er damals mitformuliert.

Falin kam in Leningrad zur Welt; über zwei Dutzend Verwandte starben dort während der deutschen Belagerung. Nach dem Kriege wollte er wissen, wie das Volk der Dichter und Denker zum Volk der Richter und Henker werden konnte - so wurde er "Germanist". Auf wechselnden diplomatischen Posten und im Dienste des Zentralkomitees galt er als Deutschlandexperte des Kremls.

In die kommunistische Partei trat er erst nach Stalins Tod ein.

Er blieb Antistalinist. So rief er früh nach Vergangenheitsbewältigung, drängte auf die Veröffentlichung des geheimen Zusatzprotokolls zum Hitler-Stalin-Pakt und zog die Wahrheit über Katyn ans Licht.

Daß Deutschland auf ewig geteilt bliebe, entsprach nicht seinem geschichtlichen Sinn. Doch hat er sich den Vollzug der Wiedervereinigung ganz anders vorgestellt: nicht als Anschluß nach Artikel 23 des Grundgesetzes, sondern als Konföderation oder Föderation. Und bis zuletzt pochte er darauf, daß Ostdeutschland nicht in die Nato einbezogen würde und aus der ganzen Bundesrepublik alle Atomwaffen verschwänden. Als der Bundeskanzler schon im Kaukasus war, bestürmte Falin noch den Kremlchef. Gorbatschow winkte ab: "Der Zug ist abgefahren."