Der Goya-Rummel begann mit einer Wissenschaftlerposse. Neu entdecktes, lange verschollenes Meisterwerk gefunden, meldete medienwirksam das Prado-Museum nur wenige Tage vor dem 250. Geburtstag des Malers, Radierers und Lithographen Francisco de Goya (1746 bis 1828).

In dem verschlossenen Raum eines Madrider Verwaltungsgebäudes sei der Sensationsfund entdeckt worden. "Ein Goya, wie er im Buche steht", prahlte Prado-Direktor José Maria Luzon. Um kurz darauf zu dementieren.

Denn nicht der Star des Jahres, Goya, sondern ein heute so gut wie unbekannter zeitgenössischer Konkurrent, Mariano Salvador de Maella, hatte das vorgebliche Meisterwerk gemalt. Kurze intensive Journalistenrecherche hatte das Gemälde als Teil einer Serie von Auftragsarbeiten dieses Hofmalers identifiziert. Die für das Fehlurteil verantwortliche Konservatorin trat zurück, der vorschnelle Direktor blieb auf seinem Stuhl sitzen, die spanischen Zeitschriftenredakteure amüsierten sich über so viel Fachwissen und unkten, an die 150 Goyas an Museumswänden seien falsch. Das Goya-Jahr konnte beginnen.

Der Prado, der die größte Goya-Sammlung der Welt besitzt, wollte zur Feier des 30. März 1746 eine Show der Meisterwerke ausrichten - die größte aller Zeiten. Das jedenfalls verkündete selbstbewußt der wackere Senor Luna, der Regisseur dieser Ausstellung, und wie zum Beweis zitierte er rund vierzig Bilder, die er aus dem Ausland geliehen habe. Als ob es darum ginge, prominente Partygäste eines ohnehin prominenten Galadiners aufzuzählen, die man mit viel Überredungsgeschick zum Kommen veranlaßt habe. Während Senor Luna mit der Prominentenjagd beschäftigt war, sind ihm allerdings einige der heimischen Stars abhanden gekommen. Das berühmte Bild "Der Sonnenschirm" und zwölf weitere Schlüsselbilder des Malers aus Prado-Besitz, auf die sich die Geburtstagsgäste bei ihrem Madrid-Besuch freuen, machen gerade einen Ausflug nach Oslo, ins dortige Nationalmuseum. Spielertransfer, man hört's sonst beim Fußball. Aber ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo es darum geht, Punkte gegen den Abstieg aus der ersten Liga zu machen. Am 23.

oder 24. April sind die Ausflügler zurück, beschwichtigt Senor Luna. Dann ist allerdings die erste Hälfte der Spielzeit schon vorüber.

Doch diese Fehlplanung ist nur eine von etlichen Ungereimtheiten, die aus der prächtig angekündigten Goya-Show eine Farce machen.

In dem Land, wo fast jeder ein Goya-Spezialist ist, wo der eine sich für Goyas Kinderbilder begeistert, der andere Goyas Plagiaten hinterherforscht, der dritte noch immer nach den Ursachen für Goyas Taubheit sucht und der vierte geschmäcklerisch den Strich der "Caprichos" für entschlossener hält als den der "Desastres" - in dem Heimatland Goyas, haben die Hüter seiner Werke nichts Anregendes zu all dem enthusiastischen Kunstgeplauder beizutragen.