Es gehört nicht zu den festen Übungen, daß die konservativ-liberale Bundesregierung nach dem Wahltag in die Tat umsetzt, was sie vor der Stimmabgabe angekündigt hat. Doch dieses Mal läßt sie sich wahrlich nicht viel Zeit, um die in Aussicht gestellten harten Einsparungen vorzubereiten. Tatsächlich läßt der - von ihr selbst mitverschuldete - Zustand der öffentlichen Finanzen wenig Spielraum für großzügige Fristen.

Auch daß sich Regierung und Koalition ausgerechnet die Rentenversicherung für ihre Rotstiftaktion ausgesucht haben, ist angesichts des absehbaren Lochs in den Alterskassen gerechtfertigt. Und zweifellos ist es ein ehrenwertes Ziel, nun endlich mit der vielfach bekundeten Absicht Ernst zu machen, die Beiträge zur Rentenversicherung (und damit die Lohnnebenkosten) zumindest nicht in neue Rekordhöhen von über zwanzig Prozent steigen zu lassen.

Gleichwohl sind die Regierenden nicht zu loben. Denn nicht alles, was hart ist, ist auch gerecht. Und die Maßnahmen, die gegenwärtig in der Regierungskoalition diskutiert und erwogen werden, sind nur zum Teil sinnvoll, anderes ist unzumutbar und sogar gefährlich.

Statt eines vernünftigen Konzepts zur langfristigen Sicherung der Rentenfinanzen zeichnet sich schon jetzt ein Flickwerk ab, das weder ökonomisch stimmig noch sozial ist.

Selbstverständlich ist nichts dagegen einzuwenden, daß die Rentenversicherer Wohnungen verkaufen, um dadurch ihre Kassen um Milliardenbeträge aufzufüllen. Und die Einführung einer Rentenversicherungspflicht für 590-Mark-Jobs - soweit es sich um Tätigkeiten neben einem Hauptberuf handelt - ist ebenso bedenkenswert wie eine geringere Bewertung von Ausbildungszeiten für die spätere Rente. Unsinnig wird es aber, wenn die Zahlungstermine vorgezogen und die Beiträge an die Rentenversicherungen künftig früher überwiesen werden sollen.

Das bessert zwar die Rentenfinanzen einmalig um zwei Milliarden Mark auf, aber gleichzeitig werden die Arbeitgeber, die eigentlich entlastet werden sollen, exakt um diese Summe belastet. Schilda läßt grüßen.

Regelrecht gefährlich sind die Pläne, wieder einmal an den Rentenzahlungen herumzumanipulieren oder den Alten neue Lasten aufzubürden. Das ist nicht nur für die Rentner unzumutbar, sondern beschädigt auch die Akzeptanz des ganzen Generationenvertrages bei den Jungen.