Können Bäume Strom sparen? Im kalifornischen Sacramento ist das keine Frage. Wenn dort an der Westseite eines Hauses Eichen oder Myrten wachsen, dann verbraucht die Klimaanlage fast ein Drittel weniger Energie, und der Besitzer spart pro Jahr rund vierzig Dollar. Denn die Bäume spenden Schatten. Und der ist kostbar in den brütendheißen Sommern im Central Valley zwei Autostunden nordöstlich von San Francisco.

Deswegen hat das örtliche Stadtwerk, der Sacramento Municipal Utility District (Smud), aus Bäumen ein Programm gemacht. Hausbesitzer bekommen Setzlinge kostenlos, wenn sie diese an der richtigen Stelle im Garten pflanzen. 350 000 Bäume will Smud zusammen mit der Sacramento Tree Foundation bis zum Jahr 2000 spenden. Sie sollen einmal pro Jahr so viel Strom sparen, wie rund 3300 Haushalte in der kalifornischen Hauptstadt verbrauchen.

Das Baumprogramm gehört zum Stromsparprogramm. "Einsparkraftwerk statt Atomkraftwerk - dieser Traum jedes Umweltschützers scheint in Sacramento Wirklichkeit zu werden", meint Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken und Autor einer Studie des Freiburger Öko-Instituts über das "weltweit vielleicht fortschrittlichste Stadtwerk".

Sacramentos Ruf ist mittlerweile auch bis zur Stromwirtschaft der Bundesrepublik gedrungen. In diesen Tagen werden die Stadtwerke Hannover als erster deutscher Energieversorger Sparprogramme starten, die sie sich teilweise von Sacramento abgeschaut haben. "Smuds Erfahrungen sind weitgehend übertragbar", erklärt Bernd Hagenberg, Abteilungsleiter für Energiepolitik, "sie haben uns jedenfalls wichtige Impulse gegeben."

Gerade als das Beispiel in Deutschland Schule macht, gerät es allerdings zu Hause unter Druck. Denn Kalifornien will in der Stromwirtschaft schrittweise Wettbewerb einführen. Anfang des nächsten Jahrhunderts bekommt das Einsparkraftwerk damit scharfe Konkurrenz.

Auf den ersten Blick wirkt Sacramento nicht wie die Stromsparkapitale der Welt. Etwas verschlafen liegt die ehemalige Goldgräberstadt mit ihren 370 000 Einwohnern am Zusammenfluß von American und Sacramento River. Auch wer genauer hinschaut, entdeckt nicht viel: Auf einigen Hausdächern sind Sonnenkollektoren installiert. Und in den Ampeln der Innenstadt brennen stromsparende Leuchtdioden.

"Es braucht manchmal eine Krise, damit Menschen neu nachdenken", sagt Jan Schori, die Geschäftsführerin von Smud. Für das kommunale Unternehmen kam die Krise Mitte 1989: Damals stimmten seine Kunden dafür, das stadteigene Atomkraftwerk Rancho Seco einfach dichtzumachen.