Wer hat Angst vor weiterem Krieg in Tschetschenien? Boris Jelzin, der jetzt den schrittweisen Abzug der Truppen und - über Vermittler - Verhandlungen mit Dudajew verheißen hat, will um jeden Preis die Wahlen gewinnen, nicht den Frieden. Dudajew will keinen Frieden - damit Jelzin verliert. Er ist also ein Wahlhelfer der Kommunisten, die das gleiche Ziel verfolgen.

Rußlands Generäle wollen siegreich dem Sumpf entkommen. Der tschetschenischen Guerilla würde ein Frieden die Geld- und Waffenströme aus der islamischen Welt abschneiden. Und die alles durchdringenden Mafia-Gruppierungen, von Baufirmen bis Banken, möchten die Dollarmilliarden für den Wiederaufbau Tschetscheniens nicht so schnell verrinnen lassen, weshalb wohl weiter Dörfer brennen werden. Dudajew kann nur in einem Tschetschenien außerhalb Rußlands politisch überleben, Jelzin nur mit einem Tschetschenien innerhalb Rußlands.

Tod, Terror, Folter, Vergewaltigungen erlauben den beiden Recken keinen Rückzug, der die Frage zuließe, was dieser Wahn wert ist.

Jelzins Auftritt war eine Stunde für die Wähler - aber noch nicht die Stunde der Wahrheit.