Es ist Dienstag abend. Wir warten auf unsere Rückreise in die europäische Zivilisation. Das Zeichen zum Aufbruch gibt das Flugzeug selbst, das als blinkender Riesenvogel über die Bucht vor der Stadt Sao Tomé zieht und hinter den Hügeln zur Landung ansetzt.

Es ist eine A 320 der Air Portugal, die vielleicht ein Dutzend Passagiere mitbringt. Diese wöchentliche Flugverbindung von Lissabon nach Sao Tomé ist ein politischer Gestus, mit dem sich die ehemalige Kolonialmacht Portugal in Pose setzt. Damit es sich halbwegs lohnt, fliegt Air Portugal zuvor noch Abidjan an und entläßt dort die meisten Passagiere.

Auf dem Vorplatz des Flughafens haben sich Hunderte von Menschen versammelt: Abreisende bringen gleich eine ganze Eskorte von Freunden und Verwandten mit, andere erwarten die Neuankömmlinge, die meisten aber sind einfach nur gekommen, um zu sehen, wer ankommt und wer abreist, um ein bißchen weite Welt zu schnuppern. Jeder kennt jeden, und so herrscht eine Stimmung wie bei einer Cocktailparty.

In seiner Abgeschiedenheit ist Sao Tomé eine Idylle, aber auch ein Alptraum für die große Kolonie der Entwicklungshelfer.

Immer wieder spricht man vom Tourismus, der als Erlösung für den Ministaat Sao Tomé und Principe vor der Westküste Afrikas beschworen wird: Er soll die Welt herbeibringen und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwinden, mit denen die Inseln zu kämpfen haben, seit sich die ehemalige Kolonialmacht Portugal nach der Nelkenrevolution 1974 überstürzt verabschiedete. Ganz abwegig ist der Traum vom touristischen Boom nicht: Die Küsten der gebirgigen Insel öffnen sich immer wieder zu kleinen und auch größeren Sandstränden.

Manche umgibt eine üppig wuchernde Urwaldvegetation, andere, zum Beispiel die Lagoa Azul im Norden der Insel, bieten belebte Korallenriffe: "Schnorcheln im saubersten Wasser der afrikanischen Westküste", schwärmt man in dem englischen Lonely-Planet-Zentralafrika-Führer, dem einzigen, der immerhin zwanzig Seiten für Sao Tomé und Principe übrig hat.

Bis in die achtziger Jahre hinein schottete die Insel sich ab und suchte ihr Heil in einem Sozialismus angolanischer Prägung.