Die Tourismusbranche wiegt sich im Bewußtsein eines steten Wachstums.

Der Betriebswirtschaftler Torsten Kirstges von der Fachhochschule Wilhelmshaven will hingegen herausgefunden haben, daß der touristische Wachstumstrend am Ende ist. Nüchtern argumentiert er mit der langsam stagnierenden Reisefreudigkeit hierzulande. Das Potential scheint ausgeschöpft zu sein. Und nicht nur das: Auch die Wünsche der Touristen seien kaum noch kalkulierbar.

Doch Kirstges weiß Rat. Er empfiehlt den Touristikern, sich zu profilieren. Sein Tip: ein "sanfterer Veranstaltertourismus".

In dem Buch "Sanfter Tourismus - Chancen und Probleme einer Realisierung" zeigt der Wissenschaftler detailliert auf, wie sich Veranstalter auf eine sanftere Programmatik einstellen können. Die wichtigsten Stichworte sind: Verankerung der Umweltorientierung in der Unternehmensphilosophie, strategische Optionen im Umweltmanagement, organisatorische Verankerung des sanften Tourismus, umweltorientierte Leistungsgestaltung, Beeinflussung des Reisendenverhaltens, Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Umwelt. Eine Fülle von Einzelmaßnahmen wird auf ihre Brauchbarkeit für Kleinveranstalter, Mittelständler wie auch für Großkonzerne angeklopft.

Ein imponierendes Programm? Angesichts der weltweiten Umweltbelastung und Ressourcenausbeutung sind ökologisch zukunftsweisende Konzepte dringend nötig. Doch Kirstges ist kein Sendbote des ökologischen Umdenkens. Der Buchtitel ist schlicht irreführend. Treffender wäre: "Wie vermarkte ich den Umweltgedanken". Kein gutes Wort fällt über sanfte Ideale. Ganz im Gegenteil: Die ökologischen Aktivisten, denen wir immerhin die sanfte Bewegung verdanken, werden als "blauäugig" abqualifiziert; ihre Verzichtsforderungen gefährdeten unsere Wirtschaft, meint der Wissenschaftler.

Sanft ist hier nur der Umgang mit der Tourismusindustrie. Der wissenschaftliche Ratgeber verheißt ihr prächtige Erfolge: Kosteneinsparungen, Wettbewerbsvorteile, bessere Vermarktungschancen, Kundenbindung, gute Kontakte zu Umweltverbänden, Wachstumsimpulse. Selbst die Medien könne man mit einem sanften Programm beruhigen. Ob und in welcher Weise sich dabei auch Erfolge für die Umwelt einstellen, bleibt unklar. Natürlich verbessern Wiederaufforstungen die Klimabilanz; dasselbe gilt für weniger umweltschädliche Verkehrsmittel. Doch was hat das alles mit Tourismus zu tun? Die Antwort ist einfach: Kirstges hegt keinen Zweifel, daß die Tourismusindustrie die Ökoprobleme lösen wird.

Mit dieser Marktfixierung liegt der Autor nicht ganz falsch. Solange "Öko" boomt, wird die Tourismusbranche ökologischen Goodwill demonstrieren und mit der einen oder anderen publicitystarken Aktion unterstreichen.