Bislang hatte Bremen wenigstens ein Nullimage: Außer Stadtmusikanten, Werder und Hafen fiel den Deutschen zu Bremen nicht viel ein.

Verschämt bat das Land Bremen deshalb in Anzeigen um ein bißchen mehr Beachtung. "Riskieren Sie doch mal einen Blick", hieß es da. Jetzt hat Bremen ein Negativimage. Nicht nur, daß der Stadtstaat von den Almosen anderer Bundesländer lebt, nein, Bremen ist auch noch wirtschaftskriminell, muß man Zeitungsüberschriften entnehmen.

Oder wer hat den Ost-Werften die Millionen geklaut? Und seit über der Vulkan-Werft der Pleitegeier schwebt, im Land Bremen sind deshalb insgesamt 8500 Arbeitsplätze bedroht, stehen der Stadt noch ein paar weitere Probleme ins Haus (siehe Kasten). Auf Bremen wird inzwischen mit dem Finger gezeigt.

Einfach widerlich findet das die grüne Sozialpolitikerin Karoline Linnert. Kapitalismus erzeuge nun mal Verlierer. "Der Standort geht kaputt an Depression und Mutlosigkeit. Gehen Sie doch mal in Bremerhaven auf die Straße, die Menschen dort sehen schon ganz grau aus, alle schämen sich, weil sie anderen auf der Tasche liegen müssen." Aber die Grüne weiß natürlich auch, daß den Weg der bremischen Wirtschaftspolitiker einige "Leichen" pflastern. Beispiel: die Industriebrache im Bremer Westen.

Der Lkw-Fahrer ist kurz angebunden. "Was hier noch produziert wird? Da werden Stahlplatten gesandstrahlt", sagt er, knallt die Tür zur Fahrerkabine zu und donnert davon. Es ist wieder still.

Von der Weser her bläst ein kalter Wind. An der Auffahrt zu dem kaum genutzten Gelände eine große blaue Tafel mit gelben Eurosternchen: "Abbruch von Industrieanlagen - gefördert vom europäischen Fonds für Regionalentwicklung". Abgebrochen werden sollen die Hallen der 1983 geschlossenen Werft AG Weser. Der vorläufig letzte Akt in einem Trauerspiel, das die bremische Wirtschaftsförderung inszeniert hat.

Zu Weihnachten 1983 war diese hochmoderne, aber nicht ausgelastete Werft mit 2300 Arbeitsplätzen dichtgemacht worden - bis heute das Trauma der Bremer Arbeiterschaft. Anschließend sollte das Gelände mit viel Geld reindustrialisiert werden - das kümmerliche Ergebnis wiederum ist das Trauma der Bremer Wirtschaftsbehörde.