RTL, dienstags: "Alarm für Cobra 11 - die Autobahnpolizei" Zwei Außerirdische, jüngst allhier gelandet, erzählen einander, was sie von den Erdlingen in Erfahrung gebracht haben. "Außen", sagt der eine zum andern, "sind sie stahlhart. Aber innen ganz weich." Er wähnt unsern Planeten von Autos bewohnt.

Es wurde Zeit, daß auch der Serienkrimi mit dieser Erkenntnis was anfing. "Cobra 11", mobile Eingreiftruppe am Autobahnabschnitt Sowieso irgendwo in der Republik, zeigt, daß die Kriminalität rund ums Auto eine der blühendsten Wachstumsbranchen ist. Autos werden gestohlen, verschoben, zertrümmert und in die Luft gejagt - sie werden begehrt, versteckt, gesucht und kurzgeschlossen, und wenn die Autobahnraststätten-Mafia eine zahlungswillige Wirtin einschüchtert, bricht sie ihr nicht etwa die Handgelenke oder raubt ihr die Kasse, sondern haut ihr das Auto zu Schrott.

Irgendwann werden es vielleicht Autos sein, die all diese Verbrechen begehen, und andere, nicht minder schnelle und schnittige, werden sie verfolgen und stellen. Einstweilen ist noch ein menschlicher Kommissar namens Frank Stolte zuständig, ein junger und dennoch bereits legendärer Cop, denn er war mal bei der GSG 9. Im Pilotfilm verfolgt Stolte einen wahnsinnigen Bombenleger: "Bei km 92 finden Sie weitere Anweisungen", der in seiner Jugend zuviel "Tim und Struppi" gelesen hat und sich Rascar Capac nennt. In Folge eins schlägt die Mafia zu und mordet Stoltes Partner.

Im weiteren wird ein neuer Kollege eingearbeitet sowie eine Autoklaubande gejagt. Es gibt wirklich was zu tun auf deutschen Highways, und das Schicksal, welches dem Auto im allgemeinen und so mancher Limousine im besonderen seitens infamer Gangster droht, ist alarmierend.

"Cobra 11" bietet eine plausible Antwort auf den Autowahn und ist für Motorsportfreunde vielleicht sogar unterhaltsam. Zumal die Serie ihre Lust an der Technik und Geschwindigkeit voll ausspielt und insbesondere die Zerstörungs- und Explosionsszenen durch die Montage von Schnittbildern verschiedener Perspektiven geradezu zelebriert. Ein Unfall auf der Autobahn ist schon aufgrund der Kraft des Motors und der Schnelligkeit des Fahrzeugs immer spektakulärer als eine Karambolage in einer verkehrsberuhigten Straße - und eine zerdepperte Karosserie sieht gruseliger aus als ein zerbeultes Fahrrad. Von daher bietet die Serie jede Menge optisch betörenden Schrott. Wer sich an Materialschlachten ergötzt, bei denen Autos brennen, bersten und durch die Luft geschleudert werden, der gucke "Cobra 11".

Die Psychologie der Autolenker, der kriminellen wie der polizeilichen, ist hingegen dürftig. Stolte guckt ständig grimmig - weil er mit seiner Freundin streitet, seinen Partner verliert und vor allem mitansehen muß, wie übel das moderne Verbrechen dem besten Freund des Menschen, dem Auto, mitspielt.

Auch die Schauplätze sind wenig attraktiv. Was fasziniert schon an Leitplanken und Autobahnbrücken? Da helfen auch die Revier- und Recherche-Szenen nicht weiter, die übrigens in Berlin (das hier ein fiktives "Neustadt" vertritt) gedreht sind, was man nicht merken soll, als Ortsansässiger aber sofort erkennt. Die Städter, die dort rumlaufen, sind alle längst nicht so charaktervoll wie die Porsches, VWs und Renaults. Außen sind sie hart und schön, die Erdlinge, und innen ganz einfach egal.