In jeder Koje sitzen kleine Gruppen und unterhalten sich bei kaltem Kaffee oder Weißwein. Keiner schielt in den Gang, um zu sehen, ob seine nächste Verabredung schon auf dem Weg ist. "Hier ist es wunderschön. Wir machen keine Geschäfte", faßt der Chef des zu Klampen Verlages in Lüneburg seine Leipzigeindrücke zusammen.

Besonders gefällt ihm, daß der Stand seines Zweipersonenverlages nur wenig kleiner ist als der des Branchengiganten Heyne. "Der Sozialismus ist tot, es lebe die Gleichmacherei", sagt er lachend und schlägt sich auf die Schenkel.

Der versierte Messebesucher hat Mühe, die Stände von Suhrkamp und Hanser zu finden. Dafür fallen ihm die der kleinen und der Kleinstverlage auf. So macht man interessante Entdeckungen. Da ist zum Beispiel der Münchner Verena Franke Verlag, in dem eine schöne Auswahl aus den Schriften Multatulis erschienen ist. Der 1820 geborene holländische Autor war einer der beredtesten Kämpfer gegen den Kolonialismus und einer - so erklären Kenner - der großen holländischen Lyriker. In Frankfurt verschwinden solche Verlage und solche Bücher nur zu leicht in der Masse des Angebots.

Die Leipziger Messe ist - obwohl ihr Schwerpunkt diesmal Polen war - so etwas wie die deutsche Buchmesse geworden. Hier haben Verleger, Buchhändler, Rezensenten und Autoren viel Zeit für längere Gespräche. Man verplaudert sich gern und sitzt, da keine großen Geschäfte einen ablenken, schon mal eine ganze Stunde mit Kollegen zusammen, an denen man in Frankfurt im Eilschritt zu den Hallen der ausländischen Verlage vorbeihastete, ihnen allenfalls ein joviales "Ich komme nachher mal vorbei" zuwerfend.

Das mag ökonomisch uninteressant sein, aber alle genießen es.

Die Leipziger Buchmesse ist etabliert. Sie wird nicht mehr wegzukriegen sein. Solange sie eine kleine Messe, solange sie im Messehaus am Markt bleibt. Expansion würde ihr nur schaden. Der Reiz der Leipziger Buchmesse liegt darin, daß man schnell einen Überblick gewinnt und in einer Stunde das ganze Haus durcheilen kann. Das erzeugt eine eigentümliche Intimität, es stellt sich schnell eine Vertrautheit her, die sich in den großen Frankfurter Hallen erst nach Jahren entwickeln würde.

Das Schönste aber an der Leipziger Buchmesse ist: Die Autoren stehen im Mittelpunkt. 340 Veranstaltungen mit 443 Schriftstellern verkündet die Messeleitung. "Leipzig liest" nennt sich das vom Bertelsmann Buchclub initiierte Programm. Alle Veranstaltungen sind überfüllt. Wer nicht zwei Stunden vor der Rushdie-, der Handke-, der Eco-, der Krug-, der Grass-Lesung anstand, hatte kaum noch eine Chance auf einen Platz. Aber daneben in den Tagen vom 28.