Schon früh gehörten Maler und Graphiker zum Begleitpersonal politischer Gesandtschaften, sie waren bei Entdeckungs- und Forschungsreisen dabei. Ihre Aufgabe bestand darin, ein naturgetreues Abbild der Menschen, Landschaften, Tiere und Pflanzen aus fernen Weltgegenden zu übermitteln. Objektiv fielen ihre Darstellungen allerdings keineswegs aus. Zu sehr war die Wahrnehmung der Künstler vom eigenen, westlichen Kulturkreis beeinflußt und ihr Stil dem jeweiligen Zeitgeschmack verhaftet. Ihre Bilder wiederum prägten nachhaltig die Vorstellungen der Zuhausegebliebenen von exotischen Ländern.

Nur zu oft gaben Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle oder Stiche weniger die Realität wieder als daß sie darauf angelegt waren, die Kundschaft in Staunen zu versetzen und ihre romantischen Phantasien zu beflügeln.

Welchem Wandel die bildhafte Gebrauchskunst während drei Jahrhunderten unterlag, dokumentiert mit kenntnisreichen, erhellenden und oft amüsanten Texten ein farbiger Bildband in englischer Sprache: "The Painted Voyage" (Art, Travel and Exploration 1564-1875; British Museum Press, London 1995; 160 S., 20 Pfund).

Zu lesen ist da unter anderem, daß Zeitnot viele Künstler dazu zwang, am Reiseziel lediglich Skizzen anzufertigen, die dann daheim - unter Zuhilfenahme von mitgebrachten Souvenirs, Kleidern und präparierten Tieren - zu fertigen Bildern ausgestaltet wurden.

Nicht wenige Maler bedienten die Erwartungen ihrer unwissenden Abnehmer so hemmungslos, daß das geschönte Abbild und die Realität fast nichts mehr miteinander zu tun hatten.