Deutsche Heilbäder sehen schwarz für ihre Zukunft. Bei der jüngsten Anhörung zur dritten Stufe der Gesundheitsreform beklagte der Wirtschaftsverband Deutsche Heilbäder und Kurorte erneute Einschnitte bei Kuren. Sie bedeuteten die "Gefährdung oder gar den Verlust bewährter und objektiv kostengünstiger Strukturen in den Kurorten".

Der Bäderverband verlangt daher: "Hände weg von der Kur."

Kuren in Deutschland, dessen war sich Gesundheitsminister Horst Seehofer bei seiner Reformplanung durchaus bewußt, ist ein Reizthema.

Es gehört zum Standardrepertoire deutscher Stammtische. Das Kuren bewegt die gesamte Gesellschaft. Von A wie Anschlußheilbehandlung bis Z wie Zipperlein - für alles und jedes gibt es eine Kur und mindestens einen deutschen Ort, mehr als 300 an der Zahl, in dem kuriert wird.

Vier Wochen gehören zum Durchschnitt, drei werden auch schon geprobt.

Den ganz Schnellen reichen sieben Tage - Kompaktkur heißt es dann.

Dauer, Zeitpunkt und Ort einer Kur hängen davon ab, was den Patienten fehlt, was sie wollen, was und vor allem wie der Doktor verschreibt - streng nach Vorschrift oder nach individuellem Wunsch. In keinem Land der Welt wird so viel gekurt wie in Deutschland. Motto: "Morgens Fango, abends Tango". Selbst in den Niederlanden mit ihrem hohen sozialen Niveau und einer Krankenversicherung, die den Vergleich nicht zu scheuen braucht, sind Kuren unbekannt.