John Major kann zufrieden sein. Um die finanziellen Folgen der Rinderseuche BSE zu lindern, haben die EU-Partner dem britischen Premierminister großzügige Hilfe in Aussicht gestellt - trotz all der antieuropäischen Querschüsse aus London in den vergangenen Jahren.

"Die Fünfzehn waren sich ausnahmslos einig, daß dies ein europäisches Problem ist, das die gesamte Union angeht und das auf europäischem Niveau geregelt und finanziert werden muß", sagte Frankreichs Präsident Jacques Chirac beim Turiner EU-Gipfel Ende voriger Woche.

Helmut Kohl erinnerte daran, daß die Gemeinschaft der Bundesrepublik schließlich seinerzeit auch bei der Bekämpfung der Schweinepest geholfen hat. Und der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz steckte schon die Dimension der Hilfe für das Vereinigte Königreich ab, noch ehe die EU-Agrarminister zur Krisensitzung nach Luxemburg geeilt waren: Fünfzig Prozent des Notprogramms übernimmt Brüssel, fünfzig Prozent soll London selbst zahlen.

Nach diesem Solidaritätsschlüssel wurden seinerzeit auch die deutschen Bauern während der Schweinepest entschädigt, die 1992 und 1995 vorwiegend in Niedersachsen wütete. Der damalige Finanzbedarf - rund 250 Millionen Mark aus der EU-Kasse - stand allerdings in keinem Verhältnis zu der Summe, um die es jetzt geht: Bis zu 50 Milliarden Mark gehen die Schätzungen.

Wieviel Geld tatsächlich notwendig ist, hängt davon ab, wie viele Rinder notgeschlachtet werden, was die Entsorgung der Kadaver kostet und auf welchen Stückpreis pro Rind sich die EU verständigt.

Während der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Europäischen Parlament, Detlev Samland, mit 1500 bis 1700 Mark pro Rind rechnet, kalkuliert man im Bonner Landwirtschaftsministerium mit 2000 Mark.

Da der Preis auf jeden Fall innerhalb dieser Bandbreite liegen wird, läßt sich der Finanzbedarf leicht errechnen. Die Briten sind bereit, in den nächsten fünf bis sechs Jahren vier Millionen Tiere zu schlachten, ein Drittel des Bestandes. Das dürfte sechs bis acht Milliarden Mark kosten. Selbst im ungünstigsten Fall, etwa der Schlachtung des kompletten Bestands, beliefe sich die Belastung auf höchstens 22 Milliarden Mark und nicht auf 45 bis 50 Milliarden Mark, wie vielfach behauptet. Der Seuchenetat der EU jedoch ist mit der Aktion allemal überfordert - er enthält ganze 120 Millionen Mark.