WASHINGTON. - In den vergangenen Wochen hat die Taiwan-Krise unsere Phantasie sehr beschäftigt, aber hinter ihr lauert ein neues strategisches Problem in Ostasien. Eine Annäherung zwischen Rußland und China zeichnet sich ab, die beunruhigende geopolitische Auswirkungen haben wird. Die veränderte Situation wird bestätigt werden, wenn Präsident Jelzin Ende April China besucht.

Der chinesisch-sowjetische Konflikt, der eine so lange Periode der Nachkriegszeit bestimmt hatte, endete bereits unter Michail Gorbatschow. Seit Jelzin in Moskau regiert, haben sich die Beziehungen weiter vertieft. Die russische wie die chinesische Rüstungsindustrie hat den Nutzen einer Zusammenarbeit wiederentdeckt, die bereits in den fünfziger Jahren existierte. Die von den Russen zugestandene Produktion des modernen Überschall-Jägers SU-27 in China ist dafür nur das letzte Beispiel.

Die Geheimdienste beider Länder arbeiten ebenfalls zusammen.

Rußland und China haben außerdem ein gemeinsames strategisches Interesse daran, daß die Stabilität im muslimisch geprägten Zentralasien bestehen bleibt. Sie arbeiten außerdem in Energiefragen zusammen, zum Beispiel beim Transit von russischem Öl und Gas durch das nördliche China nach Korea und Japan. Auch beim Bau des riesigen Staudammprojektes "Three Gorges" in China gibt es eine Kooperation.

Manche Experten sehen in der Modernisierung Chinas ein wirtschaftlich und politisch besseres Modell für Rußland als das, was der Westen zu bieten hat. Die Betonköpfe in beiden Gesellschaften möchten auch gemeinsame Sache gegen die subversiven politischen und kulturellen Einflüsse aus den westlichen Demokratien machen.

Keine Sorge, 1950 wiederholt sich nicht. Damals hatte das chinesisch-sowjetische Bündnis eine globale Dimension und eine ideologische Ausstrahlung, die darauf zielten, die westlichen Positionen überall in der Dritten Welt zu unterminieren. Als Chruschtschows Sowjetunion und Maos Volksrepublik zu Rivalen wurden, konkurrierten sie miteinander darum, wer die radikalste Herausforderung für den Westen sei.

Diese Rivalität entwickelte sich zu einem gefährlicheren Konflikt, als die Sowjets unter Leonid Breschnjew verstärkten Druck auf ihren Nachbarn ausübten und die Chinesen Hilfe im Westen suchten.