Deutschlands Erben können aufatmen. Monatelang gab es aus Bonn nur widersprüchliche Signale zur Reform der Erbschaftsteuer. Jetzt plant die Regierung ein Regelwerk, das die meisten Erbschaften dem Zugriff des Fiskus entziehen wird: Nicht weniger als 750 000 Mark sollen künftig steuerfrei bleiben, wenn Ehepartner oder Kinder erben. Mit weiteren Freibeträgen kann sich die steuerfreie Erbsumme etwa verdoppeln. Allerdings müssen die Erben, wie es das Bundesverfassungsgericht verlangt hat, bei Häusern und Grundstücken einen realistischen und damit wesentlich höheren Wert ansetzen als früher. Bislang schützen die absurd niedrigen Einheitswerte vor dem Finanzamt.

Über die genaue Höhe der Freibeträge und der Steuersätze mag man streiten, doch die Richtung stimmt: Wer ein Einfamilienhaus erbt, muß dafür auch künftig keine Steuern zahlen. Doch darüber hinaus behandelt der Gesetzgeber, dank einer realistischen Bewertung, Immobilien und andere Vermögenswerte endlich halbwegs gleich.

Die Erben von Geldvermögen werden gegenüber Hausbesitzern nicht mehr diskriminiert. Auch die Erben kleiner und mittlerer Unternehmen werden noch einmal entlastet. Zu Recht, denn schon mancher Nachkomme hat sich trotz trickreicher Hilfskonstruktionen vom Geschäft der Eltern trennen müssen, um die fällige Steuer aufbringen zu können.

Zwar ist nicht jeder Erbe auch ein guter Unternehmer, trotzdem kann diese Regelung einigen Familienbetrieben das Überleben erleichtern.

Gegner der Reform, vor allem in der SPD, wollen die Erbengeneration nicht so leicht davonkommen lassen. Ihr Argument: Mehr als hundert Milliarden Mark werden in Deutschland jährlich vererbt, aber davon fließen nur magere dreieinhalb Milliarden an das Finanzamt. Eine wachsende Schicht junger Menschen, so das Argument, erbe ein bequemes Geldpolster, das sie der übrigen Gesellschaft entfremde. Im Interesse des Gemeinwohls müsse man daher Erbschaften kräftiger besteuern und Arbeitseinkommen entlasten.

Eine wohlfeile, aber weltfremde Forderung. Eltern verhalten sich doch weitsichtig, wenn sie für die Zukunft ihrer Kinder vorsorgen.

Der Start junger Menschen ins Berufsleben ist heute unsicher genug - genauso wie die Zukunft der Rentenversicherung. Warum die Starthilfe der Eltern erschweren? Ohnedies speist sich das Erbe aus schon versteuertem Einkommen - jedenfalls soweit es mit rechten Dingen zugegangen ist.