Eine halbe Autostunde entfernt von der Stadt, in einer subtropischen Küstenlandschaft, fand eine Vision ihren Platz: die Hongkonger Universität für Wissenschaft und Technologie (HKUST). Beim Anblick dieses technischen Traums in Weiß, glückverheißendem chinesischem Rot und sattem Grün verstummen zumeist die Fragen ausländischer Besucher nach der Zukunft der britischen Kronkolonie, die 1997 in Pekinger Hände übergehen wird.

Im März 1986 faßte die Hongkonger Regierung den Beschluß, eine "technische Universität von Weltrang" zu gründen - drei Jahre nach jenem Vertrag zwischen Großbritannien und der Volksrepublik China, der über Hongkongs Zukunft entschied. Der ehrgeizige Plan wäre sicher nicht aufgegangen, hätte nicht der Royal Hongkong Jockey Club nachgeholfen. Der Pferderennclub, Monopolist des einzig legalisierten Wettvergnügens für sechs Millionen Hongkonger, spendierte 1,9 Milliarden Hongkong-Dollar von insgesamt 3,2 Milliarden, die das Projekt kostete. Er übernahm auch das Management der Universität, die 1991 eröffnete - drei Jahre früher als geplant.

Für den Bau engagierten die Chinesen Stararchitekten wie Simon Kwan und Topwissenschaftler. Die architektonische Grundidee basiert auf drei geometrischen Elementen: Quadrat, Halbkreis und Dreieck.

Überall wiederholen sich diese Formen, akzentuiert durch leuchtende Farben. Unter einem Dach sind alle Fakultäten, Hörsäle, Laboratorien, Bibliothek und Mediathek, Verwaltung, Wohnheime, Mensen, Cafés und Sportanlagen miteinander verbunden. Das "Ein-Dach-Konzept" schützt gegen subtropischen Regen und soll integrieren, ein Gegenentwurf zum "Elfenbeinturm". Inzwischen erscheint die Uni in Standardwerken der Baukunst.

Mittags erschallen Techno-Klänge im Atrium. Hongkonger Firmen werben um Nachwuchs, Kung-Fu-Schüler zeigen ihr Können. An den Wochenenden bevölkern Hongkonger Ausflügler die Piazza, einen halbkreisförmigen Platz. Die HKUST ist eine Sehenswürdigkeit, traumhaft gelegen in der Clear Water Bay. Das sechzig Hektar große Gelände hatte sich einst die britische Armee vorbehalten.

Wenn die Studenten in der über vier Stockwerke durchgehend verglasten Bibliothek von Büchern und Monitoren aufschauen, dann schweifen ihre Blicke zu den Inseln, vor denen schneeweiße Segelboote kreuzen.

Erster Präsident der HKUST wurde der Physiker Chia-Wei Woo, der bis 1988 der San Francisco State University vorstand - als erster chinesischer Präsident einer US-Hochschule. Seine beiden Stellvertreter sind der Botaniker Shain Dow Kung, in 72. Generation ein direkter Nachfahre von Konfuzius, und Eugene Wong, ehemals Wissenschaftsberater von George Bush und Mitinitiator des information superhighway.