Sie tragen keinen BH. Sie spüren gern den Stoff Ihrer Bluse an den Brustwarzen. Aber am liebsten würden Sie auch die Bluse weglassen."

Wenn eine anonyme männliche Stimme solche Sätze in den Telephonhörer stöhnt, legt eine Frau auf, bei Daueranrufern verständigt sie die Polizei, Experten werden sie über die Psychopathologie von Triebtätern aufklären und ihr raten, sich eine Geheimnummer zuzulegen ...

- es sei denn, ihre Neugier ist größer, es sei denn, wir befinden uns in einem Roman von Ariel Dorfman und das Telephon klingelt in einem Hotel in Paris.

Neun Stunden dauert das Telephongespräch insgesamt. "Martin hat mir alles über Sie erzählt." Der unheimliche Anrufer weiß, daß sie zwanzig Jahre alt ist, Barbara heißt, als Photographin mit Jugendlichen arbeitet, daß ihr Freund Martin an der Sorbonne Architektur studiert. Er selbst heiße León alias Max, und sei "Handschriftenimitator".

Dann ist also der Brief, mit dem Martin sie zur Paris-Reise überredet hat, womöglich gar nicht von Martin geschrieben, vielleicht schwebt Martin in Gefahr ...

Je mehr Barbara auf die Geschichten eingeht, die der Mann am anderen Ende der Leitung erzählt, desto tiefer läßt sie sich in seinen perversen Diskurs, sein System ziehen, bis sie ihm fast verfällt.

Immer mehr beginnt Barbara, sich mit der vom Anrufer in seinem Beziehungswahn entwickelten "Traumfrau" Susanne zu identifizieren.