Das Wort Stadtkultur geistert durch die Diskussion. Es gehört zu jenen Begriffen, deren Bedeutung so lange klar ist, als wir ihre Definition unterlassen. Unser Bewußtsein gleicht dem Auge des Froschs, der das Unbewegte nicht sieht, dafür aber das sich Bewegende um so schneller. Wir gewinnen den Begriff von einer Sache, indem wir ihren Zustand vorher und nachher betrachten und aus den Veränderungen ihrer Gestalt auf ihr Wesen schließen.

Allerdings scheint sich die Stadt schneller zu verändern, als unser geistiges Auge zu erfassen vermag. Die wachsende Beschleunigung, die alle und alles erfaßt, hat ihren Ursprung in der Stadt. Immer noch gibt sie den Rhythmus unseres Lebens vor. Davon ist natürlich auch die Stadtplanung betroffen. Das Wort Planung hat den Beigeschmack des Endgültigen, Feststellenden, Verläßlichen. Wenn aber der Wandel das einzig Dauerhafte ist, dann sollte unser Begriff von Planung bewußter und entschlossener unterscheiden zwischen dem bloß Äußerlichen und folgenlos Veränderbaren - und dem, was dem Menschen zuträglich und was für ihn notwendig ist.

Wir bräuchten also eine Anthropologie, bezogen auf die Stadt.

Und weil wir die nicht haben, sind wir, sobald wir über das Gesicht der Stadt nachdenken, alsbald ratlos und verstört. So erkläre ich mir den kulturkritischen Pessimismus vieler Stadtbetrachtungen.

Daß die Stadt tot sei, jedenfalls die, die uns lieb geworden ist und nach der wir uns zurücksehnen - dies ist geradezu ein Topos gegenwärtiger Stadt- und Architekturkritik. Ich halte davon wenig.

Nicht deshalb, weil ich der Ansicht wäre, daß es den Städten nicht bessergehen könnte, sondern deshalb, weil die Denkfigur der Apokalypse zur Wahrnehmung der Wirklichkeit wenig beiträgt.

Versuchen wir also, einige Veränderungen der Stadt zu beschreiben.