Und das alles nur, weil die Welt eine Kugel ist. Wäre sie flach, mit einem Rand außen herum, hätte sich das Fernreisen irgendwann von selbst erledigt: Denn jeder, der sich über die angemessene Distanz einer Tagesreise hinaus von seinem Zuhause entfernt hätte, der hätte erfahren, warum es in John Irvings Roman "Das Hotel New Hampshire" auf etwa jeder dritten Seite heißt: "Bleib immer weg von offenen Fenstern!"

So aber ging es jedes Jahr ein Stückchen weiter weg. Erst aufs flache Land, dann das erstemal über die Grenze, nach Italien, Griechenland, in die Türkei. Und irgendwann war man hinter der Erdkrümmung verschwunden und mußte seine Uhr sechs Stunden vorstellen.

Bis schließlich, eines denkwürdigen Tages, der erste Fernreisende, die Beine schwer & puddingweich vom 35-Stunden-Nonstopflug, die Gangway hinunterkollerte und, unten angekommen, dachte: "Warum steht denn an dem ausländischen Flughafen, in den ich mich gleich hineinrobben werde, ,Flughafen Hamburg` dran?"

Da waren wir also wieder, wo wir in den fünfziger Jahren, als das mit den Reisen losgegangen war, schon einmal gestanden hatten: vor der eigenen Haustür. Was nun? Gute Frage. Am besten, wir lehnen unseren Kopf kurz in den sanften Hauch des Weltgeistes und lauschen, was er raunt: "Ein Trend! Ein neuer Trend: Urlaub zu Hause."

Fein. Nur leichter geraunt als getan. Was wird geschehen? Wie wird er aussehen, der Urlaub 2000? Werden zu den bekannten Extremsportarten weitere, noch extremere hinzukommen? Sitzen? Lesen? Sitzen und Lesen gar? Und was werden uns die Kinder berichten in den Schulaufsätzen der Zukunft zum Thema: "Mein schönstes Ferienerlebnis"? Genau dies:

"Beim Frühstück hat die Mama gesagt, sie ist so froh, daß wir jetzt einmal Zeit haben für uns und daß wir jetzt reden können.

Ja, hat der Papa gesagt, er ist auch froh, weil man ja sonst nie dazu kommt. Immer ist keiner zu Hause und im Urlaub so viel Hektik.