Von außen übersieht man das Parteibüro. Nur ein kleines Schild im Schaufenster des Flachbaus an der Gratiot Avenue weist darauf hin, daß hier die Kreisorganisation der Demokraten in Macomb County ihren Sitz hat. Im einzigen Zimmer stapeln sich Kartons und Wahlplakate, ein Bild des Präsidenten lehnt an der Wand. Schreibtisch und Stühle sehen aus, als stammten sie vom Sperrmüll. Ein Computer und eine alte Kopiermaschine sind die einzigen Zeichen der Moderne.

Geld hat die demokratische Partei Amerikas im Kreis Macomb offensichtlich nicht. Dafür besitzt sie Optimismus. "Bill Clinton wird im November ebenso bei uns wie im Staat Michigan und auch im ganzen Land gewinnen", sagt Leo Lalonde, der örtliche Parteivorsteher.

Seit 1968 hat kein Demokrat den suburbanen, von der Autoindustrie und ihren Zulieferbetrieben dominierten Wahlkreis nördlich der Großstadt Detroit mehr gewonnen - auch Bill Clinton nicht. In den achtziger Jahren sorgten von der demokratischen Partei zu den Republikanern übergelaufene Wähler, sogenannte "Reagan-Demokraten", dafür, daß Ronald Reagan hier fast zwei Drittel aller Stimmen bekam. George Bush erhielt 1988 über sechzig Prozent. Vier Jahre später votierten immer noch mehr Republikaner für Bush als für Clinton und den unabhängigen Milliardär Ross Perot.

Dies soll nun anders werden. Nach den Umfragen liegt Clinton im Kreis fast zwanzig Punkte vor dem konservativen Kandidaten Robert Dole. Vor allem die Versuche der Republikaner in Washington, die Sozialleistungen zu kappen, haben viele Wähler wieder in die Arme der Demokraten getrieben. In den Fabriken und Wohnsiedlungen von Mount Clemens, Warren und East Detroit herrscht Unsicherheit über die Zukunft. Zwar geht es den Menschen wirtschaftlich überwiegend gut: Weil General Motors, Ford und Chrysler aus ihrer tiefen Krise wiederauferstanden sind, ist im Kreis die Arbeitslosigkeit so gering wie seit 25 Jahren nicht. Die Armutsrate ist niedriger, die Einkommen sind höher als im Landesdurchschnitt. Aber auch in Macomb County bangen Angestellte und Arbeiter um Jobs und Löhne; die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, der technologische Wandel und die Konkurrenz durch Billiglohnländer wie Mexiko sorgen für politischen Zündstoff.

In Michigan insgesamt - und in Macomb County - gelten 20 bis 25 Prozent der Wahlgänger als Wechselwähler. Überwiegend sind sie weiße Arbeiter und Angestellte; die meisten zählen sich zur Mittelklasse, einige leben am Rand der Armut. Ihre Stimmen können die Präsidentschaftswahl im kommenden November entscheiden.

Wie einige andere Kreise in den Bundesstaaten Michigan, Illinois und Ohio gilt Macomb dabei als Kerngebiet für eine erfolgreiche Wahlkampagne. Noch zu den Zeiten von John F. Kennedy gab kein County der demokratischen Partei mehr Stimmen. Das änderte sich Ende der sechziger Jahre mit dem Ausbau des Sozialstaats und der von den Demokraten geförderten und gerichtlich erzwungenen Rassenintegration.

Unter den hart arbeitenden Immigrantenfamilien, die sich in den Vorstädten von Detroit mit dem Bau eines Eigenheims und dem Kauf von Autos und Booten ihren Amerikanischen Traum erfüllt hatten, galten die Demokraten fortan als Partei der Minderheiten und Spezialinteressen.