Beim Bremer Vulkanverbund geht es derzeit zu wie in vielen Familien bei einem Erbstreit. Um die guten Stücke wird gefeilscht, wertlose Sachen und gar Schulden will keiner haben. Soviel ist bislang klar: Soll der Schiffbau in Bremen überhaupt noch eine Chance haben, müssen viele Arbeitsplätze abgebaut und wohl mindestens einer von gegenwärtig noch drei Standorten geschlossen werden.

In Mecklenburg-Vorpommern sickerte die bittere Wahrheit bereits durch: Wohl nur eine der beiden Werften, Wismar oder Stralsund, kann gerettet werden. Das hat vergangene Woche zu massiven Protesten der Beschäftigten der Stralsunder Volkswerft geführt. Denn die wird, wenn nicht mehr in letzter Minute ein politischer Wandel erfolgt, wohl geopfert. Nach Berechnungen der Treuhand-Nachfolgerin BVS drohen dort bis 1998 Verluste von 400 Millionen Mark. Und dafür will niemand mehr geradestehen.

Ähnlich wie in Bremen gibt es aber auch in Mecklenburg-Vorpommern noch kein endgültiges Konzept. Vergangene Woche haben sich BVS, der Bund und das Land zwar im Prinzip darauf geeinigt, eine Dachgesellschaft zur selbständigen Weiterführung der beiden Werften zu gründen.

Weiter als bis zu diesem Grundsatzbeschluß sind die Verhandlungspartner allerdings nicht gediehen. So wichtige Fragen beispielsweise, wer zukünftig welche finanziellen Lasten übernimmt, wurden auf die Zeit nach Ostern vertagt.

Noch bis kurz vor dem Zusammenbruch der Bremer Mutter hatten ostdeutsche Politiker geglaubt, für die mecklenburg-vorpommerische Tochter gebe es kaum negative Auswirkungen. Sie waren nämlich davon überzeugt, über die modernsten Werften Europas zu verfügen. Die waren indes noch längst nicht fertiggebaut.

Statt sich konstruktiv an einer Lösung zu beteiligen, hatte die BVS vorrangig nur ein Ziel: Sie wollte auf jeden Fall eine Rückverstaatlichung verhindern. Das ist ihr allerdings nicht gelungen. Wie auch immer die Dachgesellschaft im Detail aussehen mag - ein Gesellschafter wird die BVS sein, ein weiterer das Land. Damit aber sind die Werften wieder, was sie vor der Privatisierung waren: staatseigene Betriebe. Und ob sich für sie je wieder ein privater Investor findet, ist höchst fraglich. Denn so schnell wird sich auch mit den ostdeutschen Werften kein Geld verdienen lassen.