Nun siegt mal schön!" So lässig begegneten sich in den fünfziger Jahren der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland und die Wehrpflichtigen der noch jungen Bundeswehr im Manöver. Gesiegt wurde mit jeder Menge an simulierten Atomschlägen und stets erfolgreicher Vorwärtsverteidigung.

Dem ungedienten Literaten Theodor Heuss verdankt die bundesdeutsche Wehrlyrik noch ein weiteres geflügeltes Wort: "Die Wehrpflicht ist das legitime Kind der Demokratie." Das ist zwar historisch falsch, denn der Dienst im bunten Rock war lange des Untertanen Pflicht. Aber es klingt gut und fehlt daher auch in keiner Wehrpflichtdiskussion der vergangenen 45 Jahre. So lange wird bei uns, in Deutschland-West, um die Zwangsrekrutierung gestritten. Bisher stets mit Erfolg für die Kulissenschieber der Bedrohungsszenarien.

Nun könnten diese in den Ruhestand gehen, besser noch: geschickt werden. Die Bundeswehr hat zusammen mit ihren Verbündeten gesiegt.

Denn der Gegner Sowjetunion, das Reich des Bösen, hat sich totrüsten lassen. Der Kalte Krieg ist zu Ende und gibt den Blick frei auf die weltweiten Probleme, die stets vorhanden waren, sich jedoch unserem monokausalen Denken in den Kategorien des Ost-West-Konfliktes entzogen haben. Der Abschied davon fällt schwer. Vor allem den Wehrexperten mit und ohne Uniform in Politik und Publizistik.

Sie stricken weiter an den alten Legenden. Mit ihnen bestückt auch Theo Sommer seine "Fünf Argumente gegen eine Armee aus lauter Freiwilligen" (ZEIT Nr. 10 vom 1. März 1996), also gegen eine Berufsarmee.

Legende Nummer eins: Die Wehrpflicht verwirkliche die Armee in der Demokratie. Sie verhindere damit eine "Neigung, sich als Staat im Staate aufzuführen", wie einst die Reichswehr in der Republik von Weimar. Doch Bonn macht seine politischen Affären ganz allein.

Im Sommer 1964 zum Beispiel, als der damalige Wehrbeauftragte des Bundestages, der Exadmiral Hellmuth Heye, mit seiner Warnung vor einer Entwicklung der Bundeswehr zu einem Staat im Staate die Öffentlichkeit aufrüttelte. So viel Sorge um die junge Streitmacht war bei der Mehrheit des Parlaments nicht erwünscht. Heye mußte gehen. Die Kommißköpfe, Gegner der inneren Führung, blieben.