Sie ist jung, blond, langbeinig, steht auf Leder und macht jede Mode mit, die es im sonnigen Kalifornien gibt (vom Aero-Stretching bis zum Yoghurt-Modelling) und wird von einer halben Million Computerfachköpfen angehimmelt: Pammy . Als sie sich eines Tages von ihrem Liebhaber trennte, erhielt die Wochenzeitung InfoWorld, der sie ihre Existenz verdankt, dutzendweise Liebesbriefe und Suchsoftware.

Niemand hat Pammy bisher gesehen, denn Pammy ist ein Phantasieprodukt. Sie hilft, die wöchentliche Kolumne von Robert X. Cringely zu beleben, in der Klatsch aus der Szene mit Beta-Gerüchten vermischt wird. Pammy kommt die Rolle zu, die Meldungen auf eine mitunter sehr eigenwillige Art zu kommentieren. Als etwa von neuen Schachzügen des Softwaregiganten Microsoft berichtet wurde, ging Pammy schon einmal zu SM-Praktiken über. Als den Blattmachern die erotischen Eskapaden der Kunstfigur zuviel wurden und Pammy gehen mu&szligte, hagelte es Abbestellungen. So mu&szligte Pammy zurückgeholt werden.

Doch auch Pammys Liebhaber, Robert X. Cringely , ist eine Kunstfigur. Erfunden wurde sie vom Computerjournalisten John Dvorak, weil er einen Anchorman für die Kolumne in InfoWorld brauchte. Cringely (to cringe = kriechen) ist mittlerweile so selbständig, daß er es problemlos überstanden hat, daß sein Erfinder Dvorak längst in anderen Blättern publiziert.

Auch beim Konkurrenzblatt PC Week ist ein Stöberer am Werk; er kommt in Gestalt einer Katze daher und hört auf den Namen Spencer F. Katt .

Beide Kolumnen sind amüsant zu lesen, da sie sich über die Geschäftigkeit der Computerbranche lustig machen, Gerüchte weitergeben und sich nicht scheuen, völlig danebenzuhauen . Katt und Cringely plaudern Insiderwissen aus und haben schon Kurse wie Konkurse so mancher Technologiefirma beeinflu&szligt In den Spalten der Kolumnen tauchen die Codenamen von Projekten auf, bevor sie von den jeweiligen Firmenvorständen abgesegnet sind; in ihnen werden haarklein jene Fehler beschrieben, die Soft- wie Hardware den Garaus machen .

In Deutschland sucht man vergeblich eine solche Kolumne. In der Computerwoche erklärte ein Sebastian Trauerwein über mehrere Jahre hinweg seine Sicht der Dinge und scherte sich nicht um Gerüchte. In anderen Blättern werden Gerüchte gar als Industrie-News unkommentiert auf die letzte Seite gepackt.

In seinem Buch "Accidental Empires" hat Cringely die Leser aufgeklärt: nicht über Pammy, sondern über seine Informationsquellen. Programmierer und Hardware-Ingenieure seien selbstbewu&szligte Handwerker, hei&szligt es da. Sie würden es nicht vertragen, wenn ihre gute Arbeit durch eine Intrige oder PR-Aktion zunichte gemacht würde; statt dessen schickten sie lieber kurzerhand eine E-Mail an die Adresse der Kolumne. Auch die amerikanischen Kunden machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube und schreiben über verkorkste Projekte und indiskutable Hardware.