Und Schnitt! Was aus Kilometern von Film ein kinematographisches Kunstwerk macht, ist nicht selten die Schnitt-technik. Mit ihrer Hilfe entsteht aus dem Einzelnen ein Ganzes, aus Momenten der Fluß der Zeit, aus Szenen und Aktionen Sinn.

Zum modernen Kino gehört die Methode des cut up. Anders als beim traditionell unsichtbaren Szenenwechsel sind Schnitte hier ein sichtbares, bewu&szligt eingesetztes Mittel der filmischen Dramaturgie.

Die amerikanische Gruppe Biota wendet dieses Verfahren auf die Musik an: In rasanten cut ups schneiden sie ihre szenischen Miniaturen aus Jazz, Folk, Rock, gefundenen und geschaffenen Geräuschen aneinander.

Im Mittelpunkt steht das Tonband. Es dient als Prozessor einer vor allem von akustischen Instrumenten erzeugten Klangfülle. Der Vorgang des Schneidens wird zum revolutionären Instrument wider seine ursprüngliche Funktion als ordnendes Prinzip. Zertrennte Zeitabläufe, zerrissene Melodien - alles kippt ins Chaos.

Biota sind ein Kollektiv von Klangbastlern und Studiopionieren. Seit sechzehn Jahren arbeiten sie von ihrer Heimatbasis Colorado aus an ihrer Vision von experimenteller Atonalität. Die Wandlungen, die der Begriff Avantgarde unterdessen durchmachte, gingen spurlos an ihrer Kreativität vorüber - rare, schwer erhältliche Schallplatten legen davon Zeugnis ab.

Die aktuelle CD "Object Holder" rei&szligt den Hörer mit in den wilden Taumel einer weltmusikalischen Kirmes. Piano, Gitarren, Flügelhorn, Saxophone, Harmonium, Spielzeug und Selbstgebasteltes, Drehleiern, exotische Flöten, Trommeln aus vielen Ländern - sie alle lärmen um die Wette, tanzen vor den Ohren auf und ab wie tosende Karussellmusik, schreien um Gehör wie Losverkäufer und Schausteller.

Zwar gibt es Momente sanft gespannter Ruhe, wie sie im Jazz zu finden sind, und manchmal scheinen sich ein Akkordeon, eine Mandoline, ein Tambourin für eine Weile in einem klassischen Walzer zu drehen. Aber schon mischt sich das Näseln arabischer Blasinstrumente ein und jagt das harmonische Einszweidrei jäh aus der Kurve.