Ich habe ein Rendezvous versäumt. Weil ich mich einschüchtern ließ. Nicht von einem bärenstarken Lebensgefährten, sondern von einem Buch namens Internet für Dumme . Der Autor bescheinigt meinem Rechner-Typ im allgemeinen ausgezeichnete Netzwerkfähigkeiten, im speziellen Internet-Fall aber Bockigkeit. Die Installation des Zugangsprogramms sei ausgesprochen kompliziert.

Wenn ich mir eine Menge Ärger ersparen wolle, solle ich das von einem Experten erledigen lassen. Nette Menschen machen das von 150 Mark aufwärts - die Stunde. Das weiß ich von meinem Provider, der Firma also, die mir als Privatperson gegen monatliche Gebühr einen Zugang zum Internet gewährt. Auch dort legte man mir nahe, einen solchen Guru ins Haus zu holen.

Und was tat ich? Nichts. Einen ganzen Monat lang ließ ich die Internet-Software samt Anleitung auf meinem Schreibtisch liegen - und beäugte sie gelegentlich mißtrauisch. Unterdessen deckte ich mich mit englischen und amerikanischen Fachzeitschriften ein, die auf dem Cover Einstiegshilfen versprechen.

Brauchbar war keine davon, dafür stieß ich auf hundsgemeine Inserate: "Five minutes to freedom - Instant Internet Access", die nächste Firma versprach mir sogar einen Internet Zugang in weniger als fünf Minuten. Mein Ego war erschüttert. Die fünf Minuten und ich stundenlang in den Fängen eines überbezahlten Computer-Hochstaplers?

Ein verlängertes Wochenende brachte die Erlösung. Mein Selbstbewußtsein nahm einen Anlauf, über seinen eigenen Schatten zu springen. Ich versuchte es selbst. Mit hochroten Ohren saß ich da und befolgte Dutzende Anweisungen von der Art "Unter IP Adress geben Sie bitte Class C ein. Damit erhalten Sie automatisch als Subnet Mask 255.255.255.0." Nach einer Stunde war das Wunder vollbracht: Ich war im Internet. Die 20seitige Anleitung meines Providers hatte sich als völig ausreichend erwiesen.

Dafür folgte die erste Enttäuschung auf den Fuß: Ich checkte erstmals meine Mailbox und fand darin Post eines ganzen Monats, darunter auch von einer mir bekannten netten Dame, die mir ein Rendezvous vorschlug, bevor sie verreise. Fein, wenn man das zwei Tage nach dem angekündigten Abreisedatum erfährt. Soll ich mich jetzt mit dem Klischee vom vereinsamten Computer-Fritzen anfreunden? Nach einer besinnlichen, ja, wehleidigen Minute stürzte ich mich dann voll ins Abenteuer. Aufs ins World Wide Web, den populärsten Teil des Internet.