Es ist ein halbes Jahrhundert her, daß der Computerpionier Warren Weaver seinen Kollegen Mut zusprach: Aus dem Rechner lie&szlige sich bestimmt auch eine Maschine zur Sprachübersetzung machen. Eine natürliche Sprache sei eine Art Geheimcode, den der Computer knacken könnte wie andere Codes auch; er mü&szligte nur ein Wort durch das richtige andere ersetzen.

Seitdem wurde viel Mühe und Scharfsinn aufgeboten, um ihm den Trick beizubringen - mit dem Ergebnis, daß heute feststeht: MÜ (Maschinenübersetzung) geht nicht, heute nicht und morgen nicht, und ohne einen bisher allenfalls in der Science-Fiction vorstellbaren technologischen Durchbruch wird sie nie gelingen.

Nicht daß dem Computer zuviel zugetraut wurde. Es wurde nur der menschlichen Sprache viel zuwenig zugetraut. Ihre ganze Komplexität kam erst in den Jahren ans Licht, als ein Algorithmus nach dem anderen an ihr scheiterte. Der Computer tut willig alles, was man ihm aufträgt, und er tut es schneller und zuverlässiger als das menschliche Gehirn. Aber es muß ihm erst einmal aufgetragen werden, ausdrücklich und Schritt für Schritt. Das genau ist der Haken: Es ist nicht gelungen, die menschliche Sprachaktivität auch nur annähernd vollständig in eine noch so gro&szlige Zahl eindeutiger Rechenschritte aufzulösen.

Ist es grundsätzlich ausgeschlossen? Zwar ist die Zahl der möglichen Wörter und Sätze und ihrer Bedeutungen unendlich, aber die ihrer Bildung zugrundeliegenden Regeln und Informationen sind es ja wohl nicht, auch nicht im Gehirn. Aber Sprache ist kein Modul ganz für sich. Sie ist tief in alles menschliche Wissen und Denken eingebettet, und das macht die Zahl der nötigen Rechenschritte ungeheuer groß letztlich mü&szligte alles menschliche Wissen und Denken simuliert werden.

Abkürzungswege gibt es nur wenige; eine Regel nach der anderen, eine herangezogene Information nach der anderen muß dem Gehirn abgeluchst und der Übersetzungsmaschine vermittelt werden. Diese Maschine lä&szligt sich deshalb auch nicht erfinden; allenfalls könnte sie in schier endloser Kleinarbeit Wort für Wort herangepäppelt werden.

Es war mehr als naiv, anzunehmen, zwei Sprachen lie&szligen sich jemals ineinander übersetzen, indem man einfach jedes Wort der Quellsprache durch ein entsprechendes Wort der Zielsprache ersetzt. Eins-zu-eins-Entsprechungen zwischen zwei Sprachen gibt es nicht. Und dabei ist die Wortebene nur der Anfang. Ein Satz ist mehr als die Summe seiner Wörter. Den Wörtern Katze, Maus, bei&szligt, die, die, nicht ist nicht im mindesten zu entnehmen, was sich den Sätzen entnehmen lie&szlige, die sich aus ihnen bauen lassen.

Auf jeder ihrer Ebenen ist eine Sprache abenteuerlich, verzweiflungsvoll vieldeutig. Da ist einmal die Wortebene: Ist fehlerfreierem eine Ableitung zu Fehler oder Freier oder Ei oder frei? Welche? Der Computer hätte es zu entscheiden. Ob Weise Substantiv oder Verb ist, lä&szligt sich auf der Wortebene gar nicht entscheiden, sondern erst auf der des Satzes - also muß zu der morphologischen Analyse die syntaktische treten. Welches Weise gemeint ist ( fragt die Weisen, singt die Weisen), ergibt sich bestenfalls auf der nächsthöheren Ebene, der semantischen, nämlich wenn die Maschine zu dem Schluß kommt, daß weise Menschen nicht singbar sind. Und alle linguistischen Analysen zusammen helfen nicht, auch nur eine Bagatelle wie he knew it zu übersetzen. Er kannte es? Er wu&szligte es? Von der Anapher it ganz abgesehen, die der Computer richtig nur auflösen könnte, wenn er wü&szligte, worauf in den vorhergehenden oder folgenden Sätzen sich dieses it beziehen soll.