Die Debatte über nachhaltige Entwicklung zieht immer weitere Kreise: In einer aufsehenerregenden Studie hat selbst die Weltbank jüngst einen neuen Ansatz zur Bestimmung des Wohlstandes vorgestellt. Sie hat untersucht, wann ein Land spart und wann es über seine Verhältnisse lebt. Die Ergebnisse könnten weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik - nicht nur im Süden - haben. Das blo&szlige Wachstum des Bruttosozialproduktes kann danach nicht mehr als wichtigstes Kriterium für den ökonomischen Erfolg eines Landes verwendet werden.

Um festzustellen, ob ein Land reicher wird, muß nach dem neuen Konzept der Naturverbrauch, genau wie die Abnutzung von Maschinen, von der gesamtwirtschaftlichen Leistung abgezogen werden. Bislang wird der Naturverbrauch fälschlicherweise als Einkommen und nicht als "Entsparen" verbucht. Damit sind gravierende wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen programmiert.

Ein Beispiel: Jemand erbt von seinen Eltern ein Stück Land mit Apfelbäumen. Beeindruckt vom neuen Wohlstand, lä&szligt der Besitzer die Bäume fällen und verkauft das Holz. Das Geld in der Tasche kann zwar nun für Konsum ausgegeben werden. Das natürliche Kapital "Apfelbäume" ist jedoch aufgebraucht. Das wäre kein nachhaltiges Verhalten.

Nachhaltig wäre es, wenn die Bäume stehen blieben. Die Verkaufserlöse für die Äpfel können dann mit gutem Gewissen als Einkommen bezeichnet werden. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung handelt derjenige besonders verantwortlich, der einen Teil der Ernte dazu verwendet, weitere Apfelbäume zu pflanzen.

Die Ermittlung des "wahren" Sparens setzt die geldliche Bewertung des Naturverbrauchs voraus. Der Naturverbrauch lä&szligt sich dabei in drei Kategorien aufteilen:

· den Abbau nichterneuerbarer Ressourcen, zum Beispiel Kohle und Eisenerz;

· die Nutzung erneuerbarer Ressourcen über die natürliche Wachstumsrate hinaus, beispielsweise bei Fischbeständen, Grundwasser und Holzplantagen;