Mehr als fünf Jahre nach dem Ende der DDR sieht die wirtschaftliche Lage in den neuen Bundesländern alles andere als rosig aus. Statt der versprochenen blühenden Landschaften prägen Industriebrachen das Bild, trotz gewaltiger Finanzspritzen lahmt der Aufschwung Ost. Daß der ökonomische Umbau so viel Geld und Mühe kostet, kann allerdings nur diejenigen verwundern, die die Errungenschaften des alten Systems über- und das Ausmaß seiner Misere unterschätzten.

Denn tatsächlich war die Wirtschaftskraft der ehemaligen DDR weitaus schwächer, als selbst skeptische westliche Beobachter annahmen.

Sogar zu besten Zeiten lag die Leistung der DDR-Wirtschaft gerade einmal auf dem Niveau, das bereits während des Zweiten Weltkriegs erreicht worden war, stellt etwa der Bamberger Wissenschaftler Oskar Schwarzer fest. Im Wettlauf mit der kapitalistischen Konkurrenz hatte der real existierende Sozialismus ohnehin nie eine Chance.

1989 brachte es der durchschnittliche ostdeutsche Erwerbstätige auf lediglich knapp ein Fünftel der Produktivität eines Beschäftigten in der Bundesrepublik, schreibt Schwarzer in einem Beitrag für die jüngste Ausgabe des Jahrbuchs für Wirtschaftsgeschichte, die sich schwerpunktmäßig mit der quantitativen Entwicklung der DDR-Ökonomie beschäftigt. Auch die anderen Autoren ziehen aus der Neubewertung der volkswirtschaftlichen Daten Ostdeutschlands ernüchternde Bilanzen.

Laut Albrecht Ritschl, Professor an der Universität Barcelona, klaffte bereits 1950 eine beträchtliche Produktivitätslücke gegenüber dem Westen, die durch das spätere Plansystem immer größer wurde.

Zwar kam es Anfang der siebziger Jahre zu einem vor allem mit Auslandskrediten finanzierten kurzen Konjunkturhoch, doch die darauf folgende Schuldenkrise führte schließlich zum Bankrott.

Der Niedergang wurde dadurch beschleunigt, daß die DDR über ihre Verhältnisse lebte, wie Schwarzer konstatiert: Um die Bevölkerung bei Laune zu halten, hätten die Machthaber einen - gemessen an der geringen gesamtwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit - viel zu hohen Lebensstandard zugelassen.