Seit Anfang des Jahres stehen die Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung miteinander im Wettbewerb. Die Versicherten können ihre Kasse frei wählen. Sie sind skeptisch, daß das funktioniert. Weshalb?

BRENNER: Kürzlich hat eine Krankenkasse in Norddeutschland die Rentner unter ihren Mitgliedern auf die vergleichsweise günstigen Beitragssätze einer konkurrierenden Ersatzkasse aufmerksam gemacht.

Damit wurde indirekt ein Kassenwechsel empfohlen, womit diese Kasse sich ihrer schlechten Risiken entledigen könnte. Soziale Selektion könnte langfristig ein Ergebnis des Wettbewerbs sein.

Im übrigen haben bisher nur wenige von der Wahlfreiheit Gebrauch gemacht, selbst wenn durch den Wechsel zur günstigeren Konkurrenz einige hundert Mark im Jahr zu sparen wären.

Was soll Wettbewerb bewirken?

BRENNER: Er soll mehr Wirtschaftlichkeit und Qualität in das Kassen- und Arztsystem bringen. Wettbewerb um Versicherte zwischen Ärzten kann Kosten sparen, wenn kostengünstigere Versorgungsformen dabei herauskommen. Nur wie das funktionieren soll, ist weitgehend ungeklärt.

Wenn man nicht an den Grundfesten der sozialen Krankenversicherung rütteln will, nach denen Gesunde für Kranke, Junge für Alte, Alleinstehende für Familien sowie Reiche für Arme einstehen und jeder nach seiner Leistungsfähigkeit prozentuale Beiträge vom Einkommen zahlt, sind dem Wettbewerb enge Grenzen gesetzt. Krankheit hat auch nicht den üblichen Charakter einer Ware, deren Konsum beliebig bestimmbar wäre.