Sie wechseln Drohreden wie einst die Griechen vor Troja. Die Frage sei nicht, ob es Krieg geben werde zwischen Nordkorea und Südkorea, sondern nur, wann, donnert in Pjöngjang der Marschall Kim. Der US-Oberbefehlshaber in Südkorea, General Luck, donnert vor einem Kongreßausschuß zurück: "Die Frage ist nicht: Fällt Nordkorea auseinander? Sondern lediglich: Fällt es durch Implosion oder Explosion - und wann?" Und greift es vorher noch mit seinen 1,2 Millionen Soldaten den Süden an?

Die zweigeteilte koreanische Halbinsel ist das letzte Überbleibsel des Kalten Krieges. Im Norden vermengen sich orientalische Despotie und totalitäre Bürokratie mit Erpressertrotz und kalkulierter Unberechenbarkeit zu einem gefährlichen Sprengsatz. Schon einmal - 1950 bis 1953 - entstand aus dieser Mischung ein heißer Krieg.

Ist es wieder soweit?

Vor Ostern haben die Nordkoreaner verkündet, daß sie das 43 Jahre alte Waffenstillstandsabkommen nicht mehr respektieren werden.

Dreimal sind sie dann über die Feiertage bataillonsstark in die Entmilitarisierte Zone eingefallen und haben Mörser und Maschinengewehre gegen den Süden in Stellung gebracht. In Seoul wurden daraufhin die Streitkräfte in die höchste Bereitschaftsstufe seit fünfzehn Jahren versetzt.

Die meisten Militärexperten halten einen Angriff auf den Süden für selbstmörderisch. Nordkorea steckt in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, im Lande herrscht Hungersnot, das Bruttosozialprodukt sinkt Jahr für Jahr. Die Armee mußte ihre Übungstätigkeit stark verringern.

Andererseits: Seit dem vergangenen Herbst hat Nordkorea Kampfbomber und weitreichende Artillerie an den 38. Breitengrad verlegt; es hat wieder Infiltrationsversuche gegeben, forsche jüngere Generäle sind in die Armeeführung aufgestiegen. Bedrängen sie die Politiker, die militärische Macht Nordkoreas einzusetzen, ehe es zusammenbricht?