In keinem Fach sind die Gegensätze krasser: Auf der einen Seite die Schüler, die Mathematik als reinen Horror empfinden, auf der anderen jene, die alle Lösungen nur so aus dem Ärmel schütteln und im Unterricht ständig unterfordert sind. Damit sich diese Durchblicker an einer Aufgabe wirklich messen können, braucht es schon andere Anforderungen als die in der Schule. Der jährliche "Bundeswettbewerb Mathematik" liefert sie, auch wenn er im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen wie etwa "Jugend forscht" ein Mauerblümchendasein fristet. Am 18. April werden zum 25. Mal die Sieger gekürt, diesmal in Darmstadt.

Bereits die ersten beiden Runden, in denen die Teilnehmer zu Hause jeweils in zwei Monaten vier Aufgaben lösen müssen, warten mit harten Nüssen auf. Zwei Beispiele aus dem bereits gestarteten, neuen Wettbewerb 1996/97: Kann man ein Quadrat der Seitenlänge 5 vollständig mit drei Quadraten der Seitenlänge 4 überdecken?

Und: Für welche positiven ganzen Zahlen n ist n2n-1+1 eine Quadratzahl?

Die Logeleien von Zweistein aus dem ZEITmagazin wirken daneben bestenfalls wie Aufwärmübungen.

"Auch Berufsmathematiker stehen oft ratlos davor", bekennt Klaus-R.

Löffler. Der Mathematiklehrer aus Leichlingen bei Leverkusen ist ehrenamtlicher Vorsitzender des Aufgabenausschusses. Horst Leptin, emeritierter Mathematikprofessor in Bielefeld und Vorsitzender des Kuratoriums, gibt sogar freimütig zu: "Die vierte Aufgabe der zweiten Runde habe ich selbst nicht rausgekriegt, obwohl ich längere Zeit darüber nachgedacht habe." Dies gestand er auch Gerd Faltings vom Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn. Der berühmte deutsche Mathematiker, der in den beiden ersten Jahren des Wettbewerbs 1971 und 1972 Bundessieger war, habe darauf lapidar geantwortet: "Ach, die vierte ist doch ganz einfach - aber die dritte!"

Jedes Jahr senden weit über tausend Jugendliche ihre Lösungsversuche ein. Das Bonner Bildungsministerium vergibt für jeden Schüler, der in der ersten Runde alle vier Aufgaben gelöst hat, an dessen Schule einen Preis in Höhe von 500 Mark. "Es gibt Schulen, die dieses Geld in ihren Etat einplanen", weiß Löffler.