Erst zerreden, dann herunterspielen und schließlich vertagen: bei kaum einem anderen Thema der Wirtschaftspolitik ist diese Taktik so zur Routine geworden wie bei der Schuldenkrise der Dritten Welt. Seit nunmehr fast zwanzig Jahren diskutieren Wirtschaftspolitiker aus aller Welt über die miserable Situation der hochverschuldeten armen Länder. Doch längst macht das Problem keine Schlagzeilen mehr - obwohl sich nichts gebessert hat. Gerade die allerärmsten Länder rutschen immer tiefer in die roten Zahlen. Eine Last, die leere Staatskassen, Wirtschaftsmisere, Umweltzerstörung und letztlich für Millionen Menschen Hunger, Elend und Tod bedeutet.

Auch wenn in ein paar Tagen Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) zu ihrer traditionellen Frühjahrstagung laden, steht das Thema wieder an. Und wie seit Jahren besteht auch diesmal wieder die Gefahr, daß Finanzexperten und Gläubigerländer das Problem zerreden, herunterspielen und vertagen. Dabei könnte diesmal alles so anders sein: Zum ersten Mal seit Jahren wird nämlich ein tragfähiger Lösungsvorschlag auf dem Tisch liegen. Es gibt einen Hoffnungsschimmer für die Allerärmsten.

Bemerkenswert ist dies schon allein wegen des Hoffnungsträgers: Ausgerechnet die Weltbank, die bislang zu den unnachgiebigsten Gläubigern der armen Länder zählt, kämpft seit einigen Monaten für einen umfassenden Entschuldungsplan. Außerdem will die Institution zum ersten Mal eigenes Geld für eine Lösung ausgeben. Das ist im Weltbank-Universum eine kleine Revolution und ein erfreuliches Zeichen.

Der Sinneswandel begann im vergangenen Sommer, als ein internes Papier der Weltbank Schlagzeilen machte: Mitarbeiter der Bank stellten darin fest, daß es ein Schuldenproblem gibt, daß die Last für manche Länder nicht tragbar ist und daß alle Gläubiger zusammen ein Lösungskonzept ausarbeiten müssen. Elf Milliarden Dollar, finanziert aus Weltbankgewinnen, IWF-Goldreserven und den Beiträgen reicher Mitgliedsstaaten, sollten die gravierendsten Probleme lösen. Der Vorschlag stieß damals zwar auf den Beifall vieler Dritte-Welt-Gruppen. Der IWF und einige Regierungen der Industrieländer empörten sich jedoch über den Finanzierungsweg.

Glücklicherweise hat sich Weltbankpräsident James D. Wolfensohn von der Empörung nicht schrecken lassen. Mittlerweile haben seine Mitarbeiter einen neuen Vorschlag erarbeitet und können nun gar auf ein gemeinsames Arbeitspapier von Weltbank und IWF zurückgreifen.

Der Plan der beiden Bretton-Woods-Organisationen ist es wert, nicht nur auf der Frühjahrstagung diskutiert, sondern baldmöglichst in die Realität umgesetzt zu werden.

Erstmals sollen in dem neuen Entschuldungskonzept alle Gläubiger erfaßt werden. Der gesamte Schuldenstand eines hochverschuldeten Landes soll dauerhaft auf ein erträgliches Niveau gesenkt werden.