RIND, neutrum; althochdeutsch: hrind, mittelhochdeutsch: rint; ursprünglich allgemein die gattung des seiner verwendbarkeit zum ziehen, seiner milch und seines fleisches wegen nützlichsten hausthieres der Germanen; "du stellest hundert heerden auf, dir brummt der rinder fetter hauf." - RINDERN, verbum; von kühen: nach dem zuchtstier verlangen; - RINDERPEST, eine krankheit des rindviehs; RINDERTRUNK, trunk wie ihn rind thut; "unsrer Deutschen redligkeit läszt sich augenscheinlich sehen, wan die spate rindertrünk auf gesundheit umher gehen" (1678).

KUH, feminum; althochdeutsch: chuo, chua; mittelhochdeutsch: kuo; englisch cow; norwegisch: ku; schwedisch: ko; dänisch: koe, ko; urverwandt mit dem sanskritische wort: gâus; persisch: gâv; kuh heiszt das weibliche rind, nachdem es geboren hat; viele redensarten und sprichwörter: wer wil haben ruw, bleib bei seiner kuw; ein mantel und ein kuh/ deckt viel armut zu; KUHSCHNAPPEL, eine Art Krähwinkel; - KÜHUNTER, feminum, wie kühruhe, ruheplatz der kuhherde am mittag.

OCHSE, OCHS; masculinum; gotisch: aúùúhsa; althochdeutsch: ohso; mittelhochdeutsch: ohse; schlesisch: uchse; niederdeutsch: osse; urverwandt mit dem sanskritischen Wort uxa, uksha, der stier, wahrscheinlich von der wurzel ux, uksh: bespringen, befruchten, ochse ist überhaupt das männliche thier vom rindviehgeschlechte, besonders der verschnittene stier, als zug- oder schlachtvieh: "dann die bauern die stier klemmen und machen aslo ochsen darausz"; viele sprichwörter und redensarten: "wer eine ochsen wil bestan,/musz ihn bein hörnern greiffen an"; "wie der ochs am berge stehen" = nicht weiter wissen; bezeichnung für einen nach ochsenart groben menschen: "bedeuten sie dem teutschen ochsen, dasz er das maul halten soll" (Schi ller "Fiesco"); - OCHSELN, ÖCHSELN, von kühen nach dem stiere verlangen; - OCHSEN, schweizerisch,z'sämme ochsen, wie ein paar ochsen ziehen, mit aneinander gelehnten achseln bergang steigen; burschikos: büfffeln, - OCHSENGRAF: "die sogenannten schlesischen ochsengrafen, die Friedrich der grosze in bausch und bogen grafte, weil sie ihm zu rechter zeit vorspann und schlachtvieh lieferten" (Bremer sonntagsblatt, 1854); - OCHSENLEICHE: "ob man schon dergleichen begängnisse spottweise ochsenleiche nannte, (nach einem herrn v.Ochsenstein, der seinen letzten willen gemäsz prunklos begraben wurde), so nahmen sie doch zum besten mancher wenig bemittelten familien überhand, und die prunkbegängnisse verloren sich immer mehr" (Göthe).

STIER, masculinum, männliches rind; gotisch: stiur (zweisilbig); althochdeutsch: stior; mittelhochdeutsch: stier; verwandt mit altindisch: sthávira-, breit, dick, derb, dicht, vollwüchsig; im niederdeutschen fehlt "stier" ganz, dort gewöhnlich bulle, am besten ist das wort im alemannischen und schwäbischen bezeugt; in alter zeit war die bedeutung: männliches kalb, so noch heute im englischen "steer"; dann erwachsenes männliches rind, das nicht der zucht dient "(der dichter), der wie ein vogel ge baut ist, um die welt zu überschweben, ... er sollte zugleich wie der stier am pfluge ziehen?" (Göthe); in direkter übertragung auf einen machtvollen menschen: "der stier zu Wittenberg" (=Luther).

Aus dem "Deutschen Wörterbuch" von Jakob und Wilhelm Grimm

Karl Philipp Moritz

IM STALL