Studiosus-Reisen in München ist mit 95 000 Kunden im vergangenen Jahr der größte deutsche Veranstalter für Studienreisen. Für 1997 hat das Unternehmen ein Experiment angekündigt: Auf einer Reise nach Italien sollen die Urlauber Photoapparate und Videokameras zu Hause lassen. Ein Interview mit Studiosus-Geschäftsführer Klaus Vetter.

DIE ZEIT: Was haben Sie gegen Kameras im Urlaub?

Vetter: Auf einer Tagung im Januar haben wir über die Sozialverträglichkeit unserer Reisen diskutiert. Wir haben sehr sensible Reiseleiter, die den Vorschlag gemacht haben, eine Reise ohne Kameras anzubieten.

ZEIT: Aber für viele Reisende gehören die Motivjagd und der anschließende Dia- oder Videoabend zu den liebsten Beschäftigungen während und nach ihrem Urlaub.

Vetter: Wir wollen den Tourismus ja nicht von den Kameras befreien.

Die Studienreise ohne Kamera wird ein Experiment sein, mit dem wir einen Denkanstoß liefern wollen. So etwas hat noch kein Veranstalter gemacht, und wir wollen damit Erfahrungen sammeln.

ZEIT: Was haben denn Ihre Kunden davon, wenn sie ohne Kameras unterwegs sind? Niemand wird denen zu Hause glauben, daß sie den Zuckerhut in Rio bestiegen oder die Slums von Kalkutta durchstreift haben.