Berlin

Sahra Wagenknecht besuchen wir morgen. Heute müssen wir zur Buchpremiere.

Ein konterrevolutionäres Machwerk gegen Deutschlands Einheit ist erschienen. Der Umschlag zeigt, von hinten, zwei Männer in Betrachtung eines Fernsehturms: Sakko & Jacketti, wie der Ostberliner sein Marx-Engels-Denkmal nennt. Der Fernsehturm steht auf dem Alexanderplatz.

Das Buch heißt: "Nicht länger mit dem Gesicht nach Westen. Das neue Selbstbewußtsein der Ostdeutschen".

Es grollt und grummelt im Beitrittsgebiet, quer durch alle Parteien.

Aus Mecklenburg wird auf den Kanzler ein Anschlag verübt: "CDU 2000", ein christdemokratisches Bekennerschreiben ostdeutscher Identität. Die SPD plant hektisch ein "Forum Ostdeutschland" zur Erbauung ihrer 22 000 Ostmitglieder (mehr hat sie in ganz Dortmund nicht). Bei Bündnis 90/Die Grünen ruft Werner Schulz zum Streit wider westliche Dominanz in seiner Partei. Ist denn die ganze junge Saat der östlichen Demokratie von der PDS befallen?

Nun auch noch dieses Buch. Geschrieben hat es Hans Misselwitz (45) - zur DDR-Zeit Pfarrer und Konspirant im Pankower Friedenskreis, dann unter de Maizière stellvertretender Außenminister. Jetzt leitet er die brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung.