Nicht nur in jenen Ländern, die während des Zweiten Weltkriegs von deutschen Soldaten überfallen und besetzt wurden, auch hierzulande mag es gerade unter den Jüngeren viele verwundern, welche Aufregung in Deutschland noch heute eine Ausstellung auslöst, die nichts weiter darzustellen und zu dokumentieren versucht als die Verbrechen der Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion und auf dem Balkan.

Doch um das zu verstehen, muß man auch die Geschichte Deutschlands nach 1945, die Geschichte vor allem der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren kennen, muß sich an die Illustriertenserien, Bücher und Filme jener Zeit erinnern - als die Legende von der tapferen deutschen Wehrmacht entstanden ist, die bis heute, vor allem natürlich von den Traditionsverbänden im Umkreis der Bundeswehr, liebevoll gepflegt und oftmals geradezu bösartig verteidigt wird.

Jetzt ist zu der Ausstellung, die auch die "Heldengalerie" jener Jahre noch einmal kurz Revue passieren läßt und die zur Zeit im Kunstschacht Katernberg in Essen zu sehen ist, ein klar und sehr nüchtern gestalteter Katalog mit den Photos und Texten erschienen ("Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944", herausgegeben vom Hamburger Institut für Sozialforschung; Hamburger Edition; 222 S., 40,- DM). Eine vorläufige Bilanz der Ausstellung, die inzwischen in acht Städten Deutschlands und Österreichs gezeigt wurde, bietet darüber hinaus das lesenswerte neue Heft der Zeitschrift Mittelweg 36 (Nr. 1/96, 96 S., 18,- DM), zu beziehen über das Institut (Mittelweg 36, 20148 Hamburg).