Es werden immer mehr: Offenbar ist das Bedürfnis nach sachkundigem Geleit durch das Labyrinth von Restaurants und Hotels so groß, daß in jedem Jahr neue Führer dazukommen. Neben den Klassikern Michelin, Gault Millau, Varta und Aral liegt jetzt erstmals aus der Marco-Polo-Reihe ein schmales Bändchen vor mit dem Titel "Die tollsten Restaurants in Deutschland", das in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift essen & trinken entstand.

Was man bei Marco Polo unter "toll" zu verstehen hat, wird gleich auf den ersten Seiten klar: Restaurants, die "trendy" sind, zu deren Publikum "Szene-People" gehören. Eine wichtige Rubrik ist daher die Sparte "Gäste". In diesem kürzesten aller Guides werden nur rund 250 Adressen genannt. Städte wie Lübeck oder Bonn sind nur mit einem einzigen Tip vertreten - wobei das in Lübeck dann ausgerechnet die traditionelle "Schiffergesellschaft" ist. Spitzenkoch Roy Petermann mit seinem "Wullenwever" wird lediglich in der Liste "Noch ein paar ganz feine Adressen im Norden" ohne Kommentar erwähnt. Moderne Restaurants mit jungem Publikum und kleiner Karte tauchen überraschenderweise gar nicht auf. Am besten kommen bei Marco Polo die Großstädte weg mit einer größeren Auswahl an Lokalen, die in der Regel treffend beschrieben sind. Im Unterschied zu den klassischen Gourmetguides ordnet Marco Polo die Städte nicht alphabetisch, sondern nach Regionen, was aufgrund der begrenzten Auswahl wenig sinnvoll ist.

Auf Hochglanz und in leuchtenderem Rot präsentiert sich der Michelin seit neuestem. An der Gestaltung seines Innenlebens hat sich jedoch nichts geändert: Wie gehabt sind die Ortsnamen blau hervorgehoben, Symbole weisen neben der Qualität des Hauses und der Küche auch auf Besonderheiten wie angenehme Ausstattung, reizvolle Aussicht oder Terrasse hin. Nur noch zwei Restaurants hält der Klassiker für Gourmets seiner höchsten Auszeichnung, der drei Sterne, für würdig. Derart hoch dekoriert bleiben das "Schiffchen" in Düsseldorf und die "Schwarzwaldstube" in der "Traube Tonbach" in Baiersbronn; Heinz Winklers "Residenz" in Aschau verlor den dritten Stern.

Für solche Entscheidungen wird keine Begründung geliefert, doch die Michelin-Anhänger vertrauen den Testessern seit Jahrzehnten, auch ohne Kommentare und Beschreibungen der Restaurants. Zweiundzwanzig neue Sterne wurden im vergangenen Jahr vergeben, gleichzeitig verloren jedoch auch zwanzig Köche ihre Auszeichnung. Der "Aufschwung Ost" geht nach wie vor schleppend voran. Nur zwei Häuser in den neuen Bundesländern sind sternwürdig: Neben der "Erholung" in Dresden erhielt nun auch "Ich weiß ein Haus am See" in Krakow am See einen der begehrten Sterne.

Wer nach Restaurants mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, kann sich am roten "M" orientieren, dem Zeichen für sorgfältig zubereitete und preiswerte Mahlzeiten, das wie schon im vergangenen Jahr über 250mal vergeben wurde.

Ausführliche Beschreibungen der Küche, der Köche und des Ambientes von 1305 Restaurants und 521 Hotels liefert der Gault Millau.

Auch hier wird die Auswahl auf Spitzenniveau kleiner. Die Höchstnote von 19,5 Punkten wurde 1996 gar nicht vergeben. Im Vorjahr gab es noch vier Top-Adressen in dieser Kategorie: die "Schwarzwaldstube" im Hotel "Traube Tonbach" in Baiersbronn, das "Tantris" in München, die "Schweizer Stuben" in Wertheim-Bettingen und "Zur Traube" in Grevenbroich. Die ersten drei haben je einen halben Punkt verloren, die "Traube" in Grevenbroich sogar eineinhalb Punkte. Erhielten im vergangenen Jahr sechs Restaurants neunzehn Punkte, so sind es jetzt nur noch die drei zurückgestuften.